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Flughafen Zürich leidet unter zweiter Welle

Nach der zwischenzeitlichen Erholung im Sommer nehmen die Passagierzahlen am grössten Schweizer Flughafen weiter ab.

(AWP/GAH) Der Betrieb am Flughafen Zürich (FHZN 155.60 -0.89%) ist von der zweiten Coronawelle erfasst worden. Nachdem die Passagierzahlen bereits im September gesunken waren, nahmen sie im Oktober weiter ab. Im Oktober flogen 468’616 Passagiere über den Flughafen Zürich, wie die Flughafenbetreiberin am Mittwochabend mitteilte. Das waren 84% weniger als im Oktober 2019. Im Vergleich zum September lag das Minus bei gut 9%.

Nachdem sich die Flugreisen in den Sommermonaten vom Coronaschock vom Frühling etwas erholt hätten, hätten die steigenden Fallzahlen, Reisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen die Erholung in den letzten Monaten ins Stocken gebracht, schreibt die Flughafenbetreiberin.

Prognose gesenkt

Nun wird die Prognose für das Gesamtjahr nach unten geschraubt. Auch die Erwartungen für die kommenden Wintermonate lägen tiefer, heisst es. Neu wird für 2020 noch mit 8 bis 9 Mio. Passagieren gerechnet, nach 31,5 Mio. im Jahr 2019. Dies wäre ein Rückgang von über 70%, nachdem die Flughafenbetreiberin im April noch von einer Halbierung ausgegangen war.

Mittelfristig bleibt man am Flughafen Zürich aber optimistisch: Der Flughafen könne als wichtiges Drehkreuz für die Schweiz in den kommenden Jahre auf das Vorkrisenniveau zurückkehren.

15% niedrigere Kosten

Auf der finanziellen Seite habe das Unternehmen frühzeitig Massnahmen zur Kostenreduktion eingeleitet. Die Betriebskosten im laufenden Jahr können insbesondere dank Kurzarbeit und weiteren Einsparungen gegenüber dem Vorjahr um rund 15% gesenkt werden (exklusive Aufwendungen aus Bauvorhaben).

Die Investitionen am Standort Zürich werden im laufenden Jahr mit rund 350 Mio. Fr. höher als ursprünglich erwartet ausfallen. Dies sei im Wesentlichen auf die Fertigstellung des Grossprojekts The Circle zurückzuführen, wo die Bautätigkeit trotz Pandemie schneller als erwartet vorangeschritten sei. Bereits sind mehr als 80% der Räumlichkeiten vermietet. In den Folgejahren wird sich das Investitionsvolumen in Zürich jedoch deutlich reduzieren und bei rund 200 bis 220 Mio. pro Jahr einpendeln.

Die konsolidierten flüssigen Mittel per Ende des dritten Quartals belaufen sich laut der Mitteilung auf knapp 500 Mio. Der negative freie Cashflow betrage derzeit 30 bis 35 Mio. pro Monat und werde wohl erst im Verlaufe des nächsten Jahres wieder positiv. Die Verschuldungskennzahlen dürften Ende Jahr den Höhepunkt erreichen und sollten sich dann in Abhängigkeit von der Verkehrserholung wieder in Richtung der Vorkrisenniveaus reduzieren.

Aktien abgestuft

Die Aktien reagierten am Donnerstag mit einer Abgabe von mehr als 2%, dies, nachdem sie in den vergangenen Tagen mehr als 15% gestiegen waren. Befeuert wurden sie wie viele andere aus dem Tourismusbereich von positiven Daten zum Impfstoffprojekt von BioNTech (BNTX 109.99 +4.79%) und Pfizer (PFE 37.23 +1.92%) am Montag. Damit notieren sie nur noch gut 10% unter dem Niveau von vor Corona. Was aus Sicht der Zürcher Kantonalbank «überoptimistisch» ist, weil mit einer Erholung des Geschäfts erst für das kommende Frühjahr zu rechnen sei.

Die Bank Vontobel (VONN 70.65 -0.35%) senkt wegen der schwierigen Aussichten, des anhaltenden Gegenwinds im Winter und damit fehlender kurzfristiger Treiber die Empfehlung von «Kaufen» auf «Halten». Im Vergleich zur Konkurrenz dürfte sich Zürich Flughafen aber früher erholen, schreibt der Vontobel-Analyst. Grund dafür seien die robuste Schweizer Wirtschaft, der hohe Kurzstreckenanteil von mehr als 70% und der hoch rentable Homecarrier Swiss.

Die komplette Historie zum Flughafen Zürich finden Sie hier.»

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