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Fondsmanager bleiben risikoscheu

Obwohl sich die Angst vor dem globalen Handelsstreit verringert hat, werden defensive Vermögenswerte in den Portfolios weiterhin übergewichtet.

Frank Heiniger

Der Disput zwischen den USA und China lastet weiterhin auf der Stimmung der professionellen Anleger. Das zeigt die jüngste Fondsmanagerumfrage von Bank of America Merrill Lynch. Noch immer fürchten sich Investoren am stärksten vor dem sino-amerikanischen Handelsstreit («Trade War»). Immerhin hat sich die Angst vor diesem Tail Risk gegenüber dem Vormonat leicht abgeschwächt. Lag die Nennungsrate im August noch über 50%, ist sie inzwischen auf 40% zurückgegangen.

Hinter dem Handelskrieg figuriert die Befürchtung, dass die Geldpolitik der Notenbanken an Wirkung verliert («Monetary Policy Impotence»), abgeschlagen auf dem zweiten Rang. Auf den dritten Platz vorgestossen ist die Angst vor einer Preisblase an den Anleihenmärkten («Bond Market Bubble»).

Die anhaltend hohe Risikoaversion zeigt sich auch in der Portfolioallokation. Noch immer werden Vermögenswerte übergewichtet, die in einem Abschwung grössere Solidität versprechen. Dazu zählen – neben einer hohen Bargeldposition («Cash») – etwa die Sektoren Versorger («Utilities») und Basiskonsum («Staples»). Vergleichsweise niedrig ist dagegen die Positionierung in konjunktursensitiven Branchen wie der Industrie («Industrials») oder in Aktien allgemein («Equities»).

Angesichts der allgemeinen Unsicherheit halten die Fondsmanager weiterhin eine vergleichsweise hohe Cashposition. Allerdings haben sie den Anteil im Portfolio gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozentpunkte auf 4,7% reduziert, was klar unter dem Höchst vom Juni (5,7%) notiert.

Die Sorgen um eine weitere Verlangsamung der globalen Konjunktur haben sich gegenüber dem Vormonat weiter verstärkt. Inzwischen gehen 38% der befragten Investoren davon aus, dass die Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten eine technische Rezession erfährt – also zwei Quartale in Folge ein negatives Realwachstum aufweist. Die Differenz zu den Investoren, die keine Rezession befürchten, entspricht mit 21 Prozentpunkten dem niedrigsten Wert seit August 2009.

Der Pessimismus in Sachen Weltkonjunktur ist unter anderem auf den globalen Handelskrieg zurückzuführen. 38% der Fondsmanager halten den Konflikt zwischen den USA und China für eine «neue Normalität», die nicht in absehbarer Zeit verschwinden wird. Derweil gehen zusammengenommen nur 30% der Investoren davon aus, dass der Konflikt vor den US-Präsidentschaftswahlen 2020 gelöst werden kann.

Zu den Faktoren, die den Finanzmärkten über die nächsten sechs Monate Auftrieb verleihen und einen Shift in risikoreichere Vermögenswerte begünstigen würden, zählen fiskalische Stimulusmassnahmen in Deutschland («German Fiscal Stimulus»), eine Senkung der Leitzinsen in den USA um 50 Basispunkte sowie ein Infrastrukturpaket in China.

Auf Ebene der Unternehmen bleibt der Pessimismus ebenfalls hoch. Inzwischen erwarten netto 45% der befragten Fondsmanager, dass die globalen Gewinnaussichten («Profit Expectations») über die nächsten zwölf Monate weiter sinken werden.

Derweil halten die professionellen Investoren die Konzernbilanzen noch immer für überstrapaziert («Overleveraged»). Netto erklären 48% der befragten Anleger – zwei Prozentpunkte weniger als im Vormonat –, dass die Gesellschaften zu viel Fremdkapital aufgenommen haben.

Der Wunsch der Fondsmanager, dass die Unternehmen Schulden abbauen sollen, notiert mit 44% weiterhin auf dem Spitzenplatz. 35% der Umfrageteilnehmer sähen es am liebsten, wenn die Kapitalinvestitionen («Capital Spending») erhöht würden. Den Wunsch nach einer Rückführung liquider Mittel an die Aktionäre über Dividenden oder Aktienrückkäufe äussern nur 15%.

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