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Fondsmanager fürchten sich vor Handelskrieg

Die Eskalation im Handelskonflikt hat Folgen: Immer mehr professionelle Anleger sichern sich gegen einen Crash an den globalen Aktienmärkten ab.

Frank Heiniger

Wie bereits in elf der vergangenen zwölf Monate fürchten sich professionelle Anleger am stärksten vor einer weiteren Verschärfung des sino-amerikanischen Handelskriegs («Trade War»). Das zeigt die jüngste Fondsmanagerumfrage von Bank of America Merrill Lynch. Mit einer Nennungsrate von 37% – gefolgt von der Angst vor einer konjunkturellen Abkühlung in China und der US-Politik – ist das Nervositätsniveau allerdings deutlich von dem Höchststand aus dem Sommer 2018 entfernt.

Angesichts der sich verschärfenden geopolitischen Spannungen scheint vielen Fondsmanagern die Marktsituation nicht mehr ganz geheuer zu sein: Über ein Drittel der befragten Anleger hat sich gegen einen Kurssturz an den Aktienmärkten in den kommenden drei Monaten abgesichert. Das entspricht dem höchsten Niveau, seit die Umfrage durchgeführt wird.

Mit Blick auf die Portfolioallokation scheinen sich die Fondsmanager dennoch nicht ausreichend für eine potenzielle Eskalation positioniert zu haben: Gemessen an der durchschnittlichen historischen Allokation seit 2001 werden Marktsegmente wie zyklischer Konsum («Discretionary»), Schwellenländer («EM») oder Technologie («Tech») übergewichtet – just Bereiche, die überproportional unter einer Verschärfung der Streitigkeiten leiden würden.

Trotz der jüngsten Eskalation sowie schwachen konjunkturellen Frühindikatoren gehen die Fondsmanager nicht davon aus, dass die Weltwirtschaft in absehbarer Zeit in eine Rezession abrutscht. Für das laufende Jahr erwarten dies lediglich 5%. Damit hat sich der Anteil gegenüber dem Vormonat leicht verringert.

Dennoch geht weiterhin eine leichte Mehrheit der befragten Fondsmanager davon aus, dass sich die globale Wirtschaft über die kommenden zwölf Monate abschwächen wird.

Auf Ebene der Einzelunternehmen halten die Fondsmanager die Konzernbilanzen noch immer für überstrapaziert. Netto erklären 41% der befragten Anleger, dass die Gesellschaften zu viel Fremdkapital in die eigenen Bücher geladen haben. Das Niveau hat sich damit nur geringfügig von den jüngsten Spitzenwerten von Ende 2018 gesenkt.

Kein Wunder hat sich der Wunsch der Fondsmanager, die Unternehmen mögen doch bitte ihren Verschuldungsgrad reduzieren, gegenüber dem Vormonat um drei Prozentpunkte auf 46% verstärkt. 34% der Umfrageteilnehmer sähen es am liebsten, wenn die Kapitalinvestitionen («Capital Spending») erhöht würden. Den Wunsch nach einer Rückführung liquider Mittel an die Aktionäre über Dividenden oder Aktienrückkäufe äussern derweil nur 12%.

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