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Fondsmanager gehen in die Defensive

Trotz niedriger Renditen schichten die Anlageprofis von Aktien in Anleihen um.

Peter Rohner

Die immer niedrigeren Zinsen halten die Investoren nicht von Anleihen ab. Im Gegenteil: Sie stockten in den vergangenen Wochen ihre Bond-Positionen deutlich auf. Das geht aus der neusten Fondsmanagerumfrage der US-Grossbank Bank of America (BAC 30 0.2%) Merrill Lynch (BofAML) hervor, die zwischen dem 2. und 8. August erhoben wurde.

Den Fondsmanagern ist aber sehr bewusst, dass sie damit dem Herdentrieb folgen. Den dritten Monat in Folge bezeichnen sie die Strategie, US-Staatsanleihen zu kaufen, als «most crowded», also am stärksten überlaufen.

Grösster Anleihen-Optimismus seit acht Jahren

Neben Anleihen haben die Anlageprofis auch kotierte Immobilienfonds (Reits), Bankaktien und Versorger gekauft. Abgestossen wurden hingegen zyklische Anlagen wie Industriewerte und Aktien aus den Schwellenländern und der Eurozone.

So beliebt wie heute waren Anleihen gemäss den Positionsangaben seit acht Jahren nicht mehr. Gefragt sind sie wegen der Aussicht auf noch tiefere Zinsen.

Per Saldo erwarten 43% der Fondsmanager niedrigere Leitzinsen über die nächsten zwölf Monate. Gleichzeitig rechnen nur wenige mit höheren Langfristzinsen. So viel Optimismus für Staatsanleihen hat es laut BofAML seit 2008 nicht mehr gegeben.

Die Erwartung fallender Leitzinsen hängt mit der Sorge um die Konjunktur zusammen. Unterdessen geben 34% der Fondsmanager an, dass sie eine Rezession in den nächsten zwölf Monaten für wahrscheinlich halten. 64% halten ein solch düsteres Szenario für unwahrscheinlich. Gemessen an der Differenz der beiden Anteile ist die Rezessionsangst auf dem höchsten Niveau seit acht Jahren. 

Die Angst vor dem Abschwung und vor Marktturbulenzen kommt auch in den Antworten zur Absicherung zum Ausdruck: 33% sagen, sie hätten Massnahmen zur Absicherung gegen scharfe Kurseinbrüche getroffen – so viele wie seit 2008 nicht mehr. Gleichzeitig machen sich die Investoren grosse Sorgen wegen der hohen Schulden in den Unternehmensbilanzen.

Hoher Cashbestand

Die Cashquote haben die Profis gegenüber der Juliumfrage jedoch leicht abgebaut, sie liegt mit 5,1% aber immer noch weit über dem langfristigen Mittel.

Allgemein werden jene Anlagen übergewichtet, die im Umfeld fallender Zinsen und Gewinne besser abschneiden. Was die Sektoren anbelangt, zeigt sich ein ähnliches Muster: Zyklisches wird gemieden, Defensives bevorzugt. 

Besonders stark untergewichtet sind neben Industrietiteln die Sektoren Roh- und Baustoffe.  Beliebt sind Konsumgüteraktien, der Gesundheitssektor und die Banken. Allgemein wird der US-Aktienmarkt dem britischen und europäischen Markt vorgezogen.

Trotz des starken Anstiegs des Goldpreises von 1200 auf über 1500 $ pro Unze hält die Mehrheit der Fondsmanager das gelbe Metall nicht für überbewertet.

Leser-Kommentare

Willy Huber 14.08.2019 - 15:24
Wahrscheinlich das Dümmste, was man machen kann. Aber nachdem die Fondsmanager meist schlechter abschneiden als der SMI (oder andere Börsenleitindizes) oder gar unsere nächsten animalischen Verwandten beim Dartspiel auf Aktien oder andere Anlagekategorien geht das in Ordnung. Ja, Sparen für das oder im Alter wird dank den Notenbankhasardeuren wie Draghi oder Powell immer schwieriger, dem kann sich auch Jordan nicht… Weiterlesen »
Willy Huber 14.08.2019 - 15:36
PS: “Beliebt sind … die Banken”. Nach dem katastrophalen Fehlentscheid unserer Herren Bundesrichter bezüglich Herausgabe von Kundendaten französischer Kunden ist das sicher eine Superidee! Belgien hat sich ja auch schon gemeldet, und andere Länder möchten die “reiche” Schweiz sicher auch gerne noch ausnehmen, bevor wir dann (nach Rahmenabkommen oder Beitritt in die EU) völlig ausnivelliert werden. Das ist echter Sozialismus… Weiterlesen »