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Fondsmanager halten Aktien für überbewertet

Die Wirtschaft läuft zwar gut. Aber der Bullenmarkt ist durch steigende Zinsen in Gefahr, meinen professionelle Anleger.

Alexander Trentin

So viele Fondsmanager haben den Aktienmarkt noch nie für überbewertet gehalten. Eine Mehrheit von 37 Prozentpunkten meint gemäss monatlicher Fondsmanagerumfrage von BofA Merrill Lynch, dass Aktien zu teuer sind. Das ist ein Rekordwert in der siebzehn Jahre zurückreichenden Zeitreihe.

Seit März 2009 steigen die Aktienkurse. Einer der längsten Bullenmärkte aller Zeiten ist den professionellen Investoren anscheinend zu weit gegangen. Was könnte der achtjährige Hausse das Genick brechen?

Die Fondsmanager waren im Februar noch besorgt, dass sich der Protektionismus – etwa durch die Regierung unter US-Präsident Donald Trump – als Bullen-Killer herausstellen wird. Inzwischen hat sich diese Sorge anscheinend abgeschwächt.

Nun glaubt eine deutliche Mehrheit der Fondsmanager, dass es die US-Notenbank mit ihren Zinserhöhungen sein wird, die die Kurse fallen lassen wird.

Auf Platz zwei der möglichen Gründe für ein Hausse-Ende werden sinkende Unternehmensgewinne genannt.

Bis wann wird das Fed die Zinsen erhöhen? Nach der Anhebung vergangene Woche liegt der US-Leitzins zwischen 0,75 und 1%. Gemäss einer Mehrheit der professionellen Investoren wird der Zinszyklus zwischen 2,05 und 2,5% ein Ende finden.

Auf dem zweiten Platz landet das Zinsband zwischen 2,55 und 3% als Fernziel des Fed. Einen Leitzins von über 3% hält weniger als ein Siebtel der befragten Fondsmanager für wahrscheinlich.

Ab welcher langfristigen Rendite der US-Staatsanleihen (Treasuries) werden die Aktienkurse sinken? Die niedrigen Anleihenrenditen haben viele Anleger in Aktien getrieben. Das Ende des Anlagenotstands mit höheren Renditen könnte zu Umschichtungen aus dem Aktien- in den Anleihenmarkt führen.

Momentan liegt die zehnjährige Rendite bei 2,45%. Bei einem Anstieg um etwa einen Prozentpunkt sei das Ende des Bullenmarktes erreicht, glaubt die Mehrheit der Fondsmanager.

Nur etwa 20% der Befragten glauben, dass die Hausse eine Rendite über 4% aushalten wird.

Und welche Positionierung ist schon zu strapaziert? Die professionellen Anleger haben seit Monaten dafür einen Favoriten: auf eine Erstarkung des Dollars zu setzen. Immer noch über 40% glauben, dass das der beliebteste Trade ist.

Zu beliebt erscheinen den Befragten auch Bankaktien. Ausserdem würden zu viele Investoren auf einen sinkenden Kurs von Staatsanleihen setzen oder eine Position in Unternehmensanleihen eingehen.

Obwohl die Fondsmanager dem Aktienmarkt misstrauen, sind sie für die Weltwirtschaft insgesamt immer noch sehr positiv. Zwar ist der Anteil derjenigen leicht gesunken, die ein Wachstum über dem langfristigen Trend erwarten.

Aber der Anteil der Pessimisten, die mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum der Weltwirtschaft rechnen, ist mit unter 40% so klein wie seit Anfang 2011 nicht mehr.

Wie der Weltwirtschaft wird den Unternehmensgewinnen eine gute Zukunft bescheinigt. Eine Mehrheit von 60 Prozentpunkten der Befragten glaubt, dass sich die Gewinnsituation der Unternehmen weltweit verbessern wird.

Obwohl die Schwellenländer in der Vergangenheit von einer restriktiveren Geldpolitik in den USA oft durchgeschüttelt wurden, setzen Fondsmanager nun vermehrt auf die aufstrebenden Volkswirtschaften.

Die Positionen der Aktien in Emerging Markets wurden im Monatsvergleich deutlich ausgebaut. Auch Versorgertitel (Utilities) haben die Fondsmanager dazugekauft.

Verkauft wurden dagegen US-Aktien und Energievaloren.

Im Vergleich zum historischen Mittel der Fondsmanagerumfrage sind Bankaktien extrem beliebt. Auch eine Long-Position im Dollar ist weiterhin übergewichtet – obwohl die Befragten selbst ja diesen Trade schon als zu beliebt qualifizieren.

Auch Immobilienfonds (REIT) und Titel des zyklischen Konsums (Discretionary) sind hoch beliebt.

Unbeliebt sind dagegen der Euro, das britische Pfund und britische Aktien. Auch Anleihen werden von den Fondsmanagern gegenüber dem historischen Mittel untergewichtet.

Um welche Extremrisiken sorgen sich die professionellen Investoren? Auf Platz eins steht wie im vergangenen Jahr eine Erschütterung durch Wahlen in europäischen Ländern. Durch die Wahl von Populisten könnte sich laut den Fondsmanagern die Gefahr des Auseinanderbrechens der Europäischen Union verschärfen.

Auf Platz zwei folgt der Handelskrieg. Wie bei der Frage nach dem Ende des Bullenmarktes ist aber der Anteil der Fondsmanager im Monatsvergleich zurückgegangen, denen Protektionismus Sorgen bereitet.

Neue Anhänger gegenüber Februar hat dagegen das Risiko eines Crashs auf dem Anleihenmarkt gefunden.

Mehr Experten sehen das Risiko einer verspäteten Kürzung der US-Unternehmenssteuern. Die Versprechen der Trump-Regierung bezüglich Steuersenkungen und Deregulierung sind wohl einer der Haupttreiber der positiven Entwicklung am Aktienmarkt seit vergangenem November.

Und auch die Sorgen um die US-Notenbank begrenzen sich nicht nur auf den Zinszyklus. Fast 10% halten es für möglich, dass das Fed den Erlös aus auslaufenden Anleihen auf seiner Bilanz nicht mehr reinvestiert.