Blogs / Momentum

Fondsmanager trauen Aktien wieder

Die Angst vor einer starken Abkühlung der Weltwirtschaft hat sich unter den Anlageprofis wieder etwas gelegt. Sie misstrauen aber dem Hype um Qualitätstitel.

Alexander Trentin

Fondsmanager kaufen mehr Aktien, stocken britische Titel auf und bauen ihren Cashbestand ab. Das ist das Ergebnis der neusten Umfrage, die die Bank of America (BAC 30.03 0%) Merrill Lynch monatlich unter professionellen Investoren durchführt.

Noch im vergangenen Monat hatten die Fondsmanager soviel Cash gehalten, wie seit November 2001 nicht mehr.

Neben der Aufstockung von britischen Aktien sind auch Japan und die Eurozone beliebter als im Juli. Aus der Gunst gefallen sind dagegen Anleihen, Energietitel und Industrieaktien.

Gegenüber der Juli-Umfrage wurde die Cashquote etwas gesenkt. Im Vergleich zum historischen Mittel ist die Liquidität in den Portfolios aber trotzdem noch stark übergewichtet.

Nur Immobilien sind relativ zur Vergangenheit noch beliebter. Auf dem dritten Platz folgt der Pharmasektor.

Deutlich unter der historischen Normalgewichtung liegt der Anteil an Versicherungstiteln, an britischem Pfund und Energie-/Öl-Aktien. Allgemein ist der Aktienanteil tiefer als im Mittel der Umfragehistorie.

Doch der Pessimismus gegenüber Aktien nimmt ab. Es hat sich zum Beispiel  nur ein kleinerer Teil der Fondsmanager gegen einen starken Kursverfall an den Märkten abgesichert. Im vergangenen Monat lag der Anteil der sicherheitsbedürftigen Anleger noch auf dem höchsten Stand seit 2008.

Der neue Optimismus gegenüber Aktien scheint fundamental begründet. So haben sich die Erwartungen gegenüber dem Gang der Weltwirtschaft verbessert. Eine knappe Mehrheit der Fondsmanager geht davon aus, dass sich die Wirtschaftslage in den nächsten zwölf Monaten bessert.

Parallel dazu haben sich auch die Erwartungen gegenüber den Unternehmensgewinnen aufgehellt. Es wird nun mehrheitlich eine Verbesserung der Gewinne erwartet.

Noch Anfang Jahr hatten die Fondsmanager eine schlechtere Wirtschaftslage und niedrigere Gewinne prognostiziert.

Doch die makroökonomischen Bedingungen sind nur ein Grund für das wieder gefundene Vertrauen in die Aktienmärkte. Die meisten Fondsmanager sind nämlich der Ansicht, dass die Renditen auf US-Staatsanleihen die Aktienmärkte am stärksten beeinflussen. Und die Langfristzinsen sind seit Anfang Jahr deutlich gesunken, da eine baldige US-Zinserhöhung als wenig wahrscheinlich erachtet wird.

Als ebenfalls wichtige Faktoren für die Aktienmärkte werden der Dollar und der Risikoaufschlag für europäische Wertpapiere genannt, auch wenn die Sorge um Europa anscheinend eine deutlich kleinere Rolle spielt als noch im Juli.

Jeden Monat stellt BofA Merrill Lynch die Frage nach dem «Most Crowded Trade» – also welche Positionierung ihrer Meinung nach am stärksten überlaufen ist. Am häufigsten werden weiterhin Qualitätsaktien genannt. Aktien von Unternehmen mit guten Bilanzen und stabilen und wachsenden Gewinnen sind unterdessen stattlich bewertet.

Die professionellen Investoren sehen auch bei Unternehmensanleihen mit Anlagequalität (Investment Grade, IG), Gold (Gold 1278.8 0.22%), und neu bei Anleihen aus Schwellenländern (Emerging Markets, EM) ein gefährliches Herdenverhalten.

Da die Profis Qualitätsaktien als «überlaufen» ansehen, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Erwartungen an deren künftige Performance zurückgehen. Zwar wird Valoren mit einer hohen Dividendenrendite und verlässlichen Gewinnen nach wie vor eine Überrendite in den nächsten zwölf Monaten vorhergesagt. Doch der Anteil Fondsmanager, die diese Einschätzung teilen, hat abgenommen.

Dagegen hat die Strategie, auf Momentum-Titel zu setzen, mehr Anhänger gefunden.

Die grösste Gefahr (Tail Risk) sehen Anleger nicht mehr in einer neuerlichen Abwertung aus China. Auch einem Zusammenbruch des europäischen Anleihenmarkts wird eine kleinere Wahrscheinlichkeit beigemessen.

Neu ist ein politisches Risiko ganz vorne. Rund ein Fünftel der befragten Fondsmanager sorgt sich am meisten um ein Auseinanderfallen der Europäischen Union. Die Abwertung der chinesischen Währung steht nur noch auf dem zweiten Platz der Rangliste der Extremrisiken. Zugenommen hat dagegen die Angst vor einem Anziehen der Inflation in den USA.

Leser-Kommentare