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Fondsmanager vertagen die Panik

Zwar erwarten professionelle Investoren keine Rezession mehr. Aber ihrer Ansicht nach bleiben Wachstum und Zinsen niedrig.

Alexander Trentin

Die professionellen Anleger haben sich schnell von ihrem Pessimismus für das Wachstum der Weltwirtschaft erholt. Das zeigt die Fondsmanagerumfrage von BofA Merrill Lynch. Noch Ende 2018 war ein so grosser Anteil der Befragten pessimistisch eingestellt wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Nun hat sich das Blatt gewendet. Die Analysten von BofA Merrill Lynch kommentieren: «Es ist der grösste Dreimonatssprung bei den Wachstumserwartungen seit 2012.» Nun sind Optimisten und Pessimisten fast wieder ausgeglichen.

Der Grund für die neue Hoffnung ist schnell gefunden. Viel weniger Fondsmanager haben Angst, dass die chinesische Konjunktur einbricht. Unter den «Tail Risks» (Extremrisiken) war China im vergangenen Monat noch die am häufigsten geäusserte Angst. Nun ist es wieder der Handelskrieg, danach kommt die Ohnmacht der Geldpolitik.

Zusammen mit den verbesserten Wachstumserwartungen ist auch die Hoffnung auf höhere Unternehmensgewinne zurückgekehrt. Noch Anfang 2018 waren die Fondsmanager in grosser Mehrheit optimistisch für die Profite, dann hat der Pessimismus stetig um sich gegriffen. Seit Ende Jahr geht es wieder aufwärts.

Einen Konjunkturboom haben die Investoren aber nicht im Sinn. Das zeigt die Frage nach dem wahrscheinlichsten Szenario für die Weltwirtschaft. «Wachstum und Inflation unter dem Trend» ist die weit am häufigsten genannte Antwort. Vor einem Jahr glaubte eine Mehrheit noch an ein optimales Szenario von hohem Wachstum und niedriger Inflation.

Stagnation statt Rezession – so kann man die Stimmung also umschreiben. Die meisten Befragten erwarten den Start einer weltweiten Rezession erst für die zweite Jahreshälfte 2020, viele auch erst ab dem Jahr 2021.

Ohne viel Wachstum wird auch die US-Notenbank ihre Zinserhöhungen nicht wieder aufnehmen – das glaubt die Mehrheit der Befragten. Noch vergangenen Monat waren die Mehrheitsverhältnisse umgekehrt. Immer weniger Fondsmanager glauben, dass die kurzfristigen Zinsen steigen werden. Noch Ende vergangenes Jahr rechnete eine Mehrheit von 80% mit steigenden Zinsen.

Mit dem Ende der Rezessionsangst und der Erwartung anhaltend niedriger Zinsen werden Aktien attraktiver. Dorthin haben die Fondsmanager im Vergleich zum Vormonat ihre Gelder am ehesten umgeschichtet. Dafür haben sie ihren Bargeldbestand reduziert. Aktien der Eurozone, Industriewerte und Rohstoffe sind als Wette auf eine bessere Konjunktur beliebt. Dagegen wurden japanische Aktien, Schwellenländer und Banken abgebaut.

Im historischen Vergleich ist die Allokation in Aktien aber immer noch gering – das passt zum Szenario von schwachem Wachstum. Besonders unbeliebt ist wegen der Unsicherheit um den Brexit nach wie vor die britische Börse. Im langfristigen Vergleich untergewichtet bleiben auch nach der letzten Aufstockung Titel der Eurozone und Industriewerte. Sichere Versorgervaloren und Immobilienfonds (REIT) sind als Anleihenersatz gern im Portfolio gesehen. Auch Anleihen sind übergewichtet.

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