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Fondsmanager ziehen den Kopf ein

Nach den jüngsten Turbulenzen reduzieren die Anlageexperten ihre Aktienquote und erhöhen den Bargeldbestand. Dennoch bleiben sie zuversichtlich.

Sandro Rosa

So schnell kann es gehen. Noch im Januar herrschte eitel Sonnenschein unter den Anlageprofis. Per saldo gaben damals stolze 55% von ihnen an, bei Aktien übergewichtet zu sein. Ein Ende der Hausse erwarteten sie frühestens für 2019.

Nur einen Monat später hat sich die Euphorie etwas gelegt. Der unerwartete Kurseinbruch ging auch an den Börsenprofis nicht spurlos vorbei. Gemäss der jüngsten Umfrage von Bank of America (BAC 27.76 0.04%) Merrill Lynch (BofAML) unter Fondsmanagern haben diese ihre Aktienpositionen im Vergleich zum Vormonat deutlich zurückgefahren.

Mittlerweile sind netto nur noch 43% in Aktien übergewichtet. Der Rückgang von zwölf Prozentpunkten ist der kräftigste seit Anfang 2016, als der Ölpreisverfall und Sorgen um das chinesische Wachstum die Märkte belasteten.

Im Gegenzug flüchteten die Profis in Cash. Die Bargeldquote der Fondsmanager schoss im Monatsvergleich von 4,4 auf 4,7% hoch. Das wäre eigentlich ein Kaufsignal für Contrarians, wie Michael Hartnett, Chefstratege von BofAML, schreibt.

Allerdings signalisiert der von der Bank kreierte Stimmungsindikator (Bull & Bear Indicator) eine nach wie vor überdurchschnittlich hohe Risikoneigung unter den Anlegern. Deshalb kommt Hartnett zum Schluss: «Der Bull & Bear Indicator sendet immer noch ein Verkaufssignal. Deshalb könnten die Tiefst von 2018 nochmals getestet werden.» Für Aktienzukäufe scheint es demnach noch zu früh.

Verschreckt haben die Fondsmanager die anziehende Inflation und die steigenden Zinsen – und das damit verbundene Risiko eines Bondcrashs. Ganze 45% sehen denn auch einen Inflationsschub und einen Bondcrash als das grösste «Extremrisiko» für die Märkte, gefolgt von einem Fehltritt der grossen Notenbanken.

So überrascht es auch nicht, dass eine deutliche Mehrheit, nämlich 80%, der Befragten über die kommenden zwölf Monate mit steigenden Zinsen – und somit weiter fallenden Bondpreisen – rechnet. Nur gerade 5% der Fondsmanager erwarten rückläufige Zinsen.

Trotz der jüngsten Turbulenzen glaubt allerdings kaum einer der Fondsmanager an eine bevorstehende Rezession. 91% der Profis stufen einen Abschwung als «unwahrscheinlich» ein.

Entsprechend setzen sie weiterhin auf zyklische Branchen, die von einer anziehenden Konjunktur und steigenden Zinsen profitieren, wie etwa Technologie, Banken, zyklischer Konsum (dazu gehören etwa Swatch Group (UHR 321.6 -1.29%) oder Volkswagen (VOW 166.3 0.97%)) und Energie (Total (FP 49.325 -0.11%) oder Eni (ENI 14.656 -3.26%)).

Verschmäht werden hingegen die defensiven Bollwerke aus den Sektoren Versorger, Telecom und Basiskonsum (Unilever, Nestlé (NESN 84.92 0%)). Wenn die Wirtschaft floriert, werden solche Werte weniger nachgefragt, da ihr Gewinn typischerweise nur moderat vom Aufschwung profitiert. Zudem finden sich in diesen Segmenten viele Dividendenperlen, die wegen der höheren Zinsen relativ gesehen an Attraktivität einbüssen.

Wer dem breiten Konsens misstraut und es vorzieht, gegen den Strom zu schwimmen, setzt mit Vorzug auf Aktien aus dem Vereinigten Königreich. Sie sind unter den Profis massiv in Ungnade gefallen. Anleihen sind ebenfalls äusserst unbeliebt. Das gilt auch für die Aktien aus den Sektoren Gesundheit und Basiskonsum.

«Finger weg» heisst es hingegen für Contrarians bei Bankaktien, zyklischem Konsum sowie Aktien aus den Schwellenländern und Europa. Diese stehen hoch in der Gunst der Fondsmanager.

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