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Fondsmanager stossen Aktien ab

Die professionellen Investoren scheuen das Risiko und gehen in Cash. Sie sind besorgt um China und sind pessimistischer für die globale Konjunktur und die Unternehmensgewinne.

Alexander Trentin

Die Fondsmanager haben Angst. Statt nun billiger Aktien zu kaufen, sind sie in Cash übergewichtet – in Anleihen und Aktien sind sie untergewichtet. Das zeigt die monatliche Fondsmanager-Umfrage von Bank of America (BAC 41.41 -1.08%) Merrill Lynch. Die Antworten wurden zwischen dem 8. und 14. Januar eingesandt.

Nicht überraschend sind bei Aktien die Sektoren Rohstoffe, Schwellenländer, Energie und Baustoffe (Materials) im historischen Vergleich untergewichtet. Auch Industriewerte werden wegen der Sorgen um Chinas Konjunktur gemieden.

Übergewichtet wird dagegen der Sektor «zyklischer Konsum» (Discretionary). Die Überlegung dahinter: Der Konsum bekommt durch den niedrigen Ölpreis einen Schub. Auch die Aussicht auf einen weiterhin starken Dollar ist ein wichtiger Allokationstreiber. Fondsmanager halten Aktien aus der Eurozone, die von einem schwachen Euro profitieren sollten.

Grafik1Quelle: BofA Merrill Lynch

Mit einem durchschnittlichen Cash-Anteil von 5,5% am Portfolio halten die professionellen Investoren  so wenig Liquidität wie seit der China-Angst im August nicht mehr. Die Cash-Quote ist vergleichbar mit dem Niveau während der Euro- und Lehman-Krise.

Grafik1aQuelle: BofA Merrill Lynch

Im Vergleich zur Allokation im Dezember wurden Aktien abgestossen. Dagegen wurde der Anteil von Anleihen (Bonds) und Cash ausgebaut. Am beliebtesten war der Gesundheitssektor (Healthcare) im Monatsvergleich.

Grafik2Quelle: BofA Merrill Lynch

Die Vorsicht der Fondsmanager scheint seinen Grund auch im Pessimismus hinsichtlich der Konjunktur zu haben. Nur noch eine knappe Mehrheit der Profis erwartet eine stärkere Weltwirtschaft. Das sind so wenige wie zuletzt 2013.

Grafik3Quelle: BofA Merrill Lynch

Doch so gut wie niemand diagnostiziert eine Rezession. Aber die meisten Portfoliomanager sehen den Konjunkturzyklus der Weltwirtschaft nun im Spätstadium. So viele fanden das seit 2008 nicht mehr. Die Rezession wäre dann der nächste Schritt.

Grafik4 Quelle: BofA Merrill Lynch

Was könnte die globale Wirtschaft schockieren? Über die Extremrisiken (Tail Risk) sind sich die Fondsmanager weitgehend einig: China und die Schwellenländer. Sie fürchten sich im Vergleich zum Dezember deutlich mehr vor einer Rezession in China und – etwas weniger – vor einer Schuldenkrise der Schwellenländer (EM Debt Crisis). Kaum noch eine Rolle spielt die Angst vor einem Anziehen der Inflation oder einem Auseinanderbrechen der Eurozone.

Grafik5Quelle: BofA Merrill Lynch

So wie das Vertrauen in die Konjunktur dahinschmilzt, nimmt auch die Zuversicht in die Unternehmensgewinne ab. Zum ersten Mal seit 2013 glaubt die Mehrheit der Fondsmanager nicht mehr, dass sich die Gewinne weltweit erhöhen werden.

Grafik6Quelle: BofA Merrill Lynch

Die professionellen Investoren glauben wegen der verschlechterten Makrolage auch immer weniger daran, dass das Fed die Zinsen wie anvisiert weiter erhöhen wird. Die meisten halten zwei Zinserhöhungen in den nächsten zwölf Monaten für wahrscheinlich. Im Dezember waren es noch drei Erhöhungsschritte. Deutlich mehr glauben auch, dass das Fed die Zinsen in diesem Jahr gar nicht mehr erhöhen wird.

Grafik7Quelle: BofA Merrill Lynch