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In den Formel-1-Boliden hat die Carbonfaser den Stahl abgelöst. Besuch in den McLaren-Ateliers, wo die Ingenieure noch nie den Innovationszeitpunkt verpasst haben.

Freitag, 7. April 2017. Fernando Alonso und Stoffel Vandoorne nehmen an den ersten Trainingsfahrten des Grossen Preises von China teil. Zehn Tage zuvor, am Grand Prix von Australien, fuhr Stoffel Vandoorne als Letzter ins Ziel, während Fernando Alonso sogar aufgeben musste.

Resultate, die von den Standards eines legendären Rennstalls wie McLaren Racing weit entfernt sind. Während sich die Piloten in Selbstkritik ergingen, herrschte in den Labors in Woking in der Nähe von London Hochbetrieb.

In nur wenigen Tagen wurde ein neuer Hinterflügel gezeichnet, ausgedruckt, im Windkanal getestet und nach Asien verschickt, um die beiden McLaren-Boliden zwecks Leistungssteigerung vor den Testfahrten in Schanghai aufzurüsten.

«Wir waren unter den Ersten, die den 3D-Druck eingeführt haben. Ab 2001 begannen wir, zunächst Teile aus Harz zu kreieren, später aus Plastik und schliesslich aus Metall. Die Elemente für den Grand Prix von China wurden in Carbonfaser ausgeprintet und mit Kunststoff verstärkt», erklärt Tim Goss, technischer Direktor von McLaren Racing.

Im McLaren Technology Centre, das sich im Grünen in Surrey befindet, ist Innovation der Antrieb für den nach Ferrari erfolgreichsten Formel-1-Rennstall. Hier wurde die wichtigste Revolution des Automobilsports geboren und weiterentwickelt: der Ersatz von Stahl- und Metallteilen durch Carbonfaser.

1980 bestanden die Boliden noch ganz aus Stahl, 2017 sind nur noch der Motor und einige Teile des Getriebes aus Metall und Aluminium gefertigt. Die Revolution war eine totale. «Wir arbeiten seit langer Zeit mit einem Partner-Forschungsinstitut und mit der Raumfahrtindustrie zusammen, um Vor- und Nachteile neuer, leichterer, widerstandsfähigerer und soliderer Materialien zu testen», präzisiert Tim Goss.

Für die Entscheidung, Stahl durch Carbon zu ersetzen, war die Erkenntnis massgebend, dass Stahl pro Gramm 12 Joules absorbiert, die zehnmal leichtere Kohlefaser aber 100 Joules pro Gramm. Nicht nur das Material ist von ausschlaggebender Bedeutung, auch die Aerodynamik spielt naturgemäss eine wichtige Rolle.

Die Teile werden am Computer gezeichnet und aufgrund komplexer Informatiktests verfeinert, um die grösstmögliche Balance zwischen Luftwiderstand und Anpressung möglichst zu optimieren.

Es ist denn auch im Windkanal, wo die Stunde der Wahrheit schlägt. «Unser Team umfasst knapp hundert Personen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Sie stellen Modelle unserer Boliden im Massstab von 60% her. Diese absolvieren jährlich 60’000 km, was 200 Grands Prix’ entspricht», so der technische Direktor des Rennstalls.

Zwar gewinnen die virtuellen Simulationen Jahr für Jahr an Bedeutung, aber der beeindruckende Windkanal von McLaren bleibt ein essentielles Element in der Entwicklung neuer Rennwagen. Spitzentechnik, Beherrschung der Materialien, der Aerodynamik und der Produktionsprozesse sind nicht mehr alleiniger Bereich des Automobilrennsports.

Gewiss, McLaren ist der einzige Rennstall mit dreifachem Weltmeistertitel F1, 24Heures du Mans und 500 Miles Indianapolis. Aber seine Ingenieure und Mechaniker sind auch für Liebhaber von Strassenfahrzeugen aktiv.

So war der McLaren 720S, der im März am Salon in Genf vorgestellt wurde, das Resultat der Forschungsaktivitäten im Formel-1-Labor: Chassis aus modifiziertem Carbon, Sieben-Gang-Getriebe, Scheibenbremsen aus Carbon-Keramik… «eine Vielzahl von Innovationen und technologischen Errungenschaften unserer F1-Labors», ergänzt Tim Goss.

Die Empfangshalle, wo die legendären Fahrzeuge der Marke zu bewundern sind, ist beeindruckend. Etwas abseits sind die sensiblen Labors und Ateliers, denn jedes Teil, jede Verzahnung, jedes Element der künftigen Stars auf den Renncircuits ist streng abgeschirmt, damit die Konzeptionsgeheimnisse der Ingenieure in Woking auch wirklich geheim bleiben.

Diese Obsession für Materialien mit hohem Mehrwert, die optimale Zuverlässigkeit bieten, Solidität und Leichtigkeit mit hochmodernem Design verbinden und gleichzeitig absolute Präzision garantieren, entspricht auch jener von Richard Mille.

Die 2001 gegründete Uhrenmarke basiert bei der Entwicklung ihrer Kaliber seit jeher auf der Spitzenforschung der Formel-1-Ingenieure und der Raumfahrt, weshalb sich eine Partnerschaft fast aufdrängte.

Und es versteht sich von selbst, dass Stoffel Vandoorne seinen Boliden mit einer RM 50-03 Tourbillon McLaren F1 am Handgelenk steuert. «Die beiden Marken teilen eine gemeinsame DNA, nämlich die Passion für Design, Technologie und Ästhetik», erklärt Zak Brown, legendärer Verwaltungsratspräsident und CEO der McLaren Group.

Sein Alter Ego Richard Mille denkt in die gleiche Richtung: «Ich erinnere mich ans Jahr 1981, als McLaren als erster Formel-1-Konstrukteur Monocoques vollständig aus Carbonfaser herstellte. Das war die Technologie, die den Automobilsport revolutionieren sollte und es noch heute tut. Jahre später konnte ich die gleiche technische Lösung (eine Struktur aus Carbonfaser) für die Platinen unserer Uhren verwenden.»