Taiwans Marine übt den scharfen Schuss, hier anno 2017. Manöveranlage – die einzige und daher routinemässige: eine Invasion aus Festlandchina. Um ein anderes Bedrohungsszenario braucht sich die Generalität des Inselstaats (etwas kleiner als die Schweiz, rund 24 Mio. Einwohner, funktionierende Demokratie) nicht zu kümmern. Der Ton der Volksrepublik China gegenüber der Republik China ist einschüchternd. Xi Jinping, der Machthaber in Peking, sagte zu Jahresbeginn unzweideutig, dass es kein Arrangement mit Taipei geben werde ohne staatliche Einheit und dass taiwanesische Bestrebungen nach formeller Unabhängigkeit militärisch quittiert würden. Das ist ernst zu nehmen. Peking rüstet auf und setzt sich in der Südchinesischen See mit breiter Brust fest. Es ist in der Geschichte bereits vorgekommen, dass eine aufstrebende Macht ihr angeblich zustehende Gebiete ungestraft heim ins Reich holt, mit üblen Folgen. Fragt sich: Wird die Schutzmacht Amerika es zulassen, dass sich China, der erstarkende Konkurrent, Taiwan einfach so greift? Das wäre eine geostrategische Zeitenwende. Unschöne Aussichten für das Ländchen, das portugiesische Seefahrer 1517 «entdeckten» und Ilha Formosa tauften: schöne Insel.