Meinungen

Fossile Energie dominiert

Die Energieversorgung der Schweiz basiert zur Hälfte auf Erdöl. Immerhin: im Trend sinkend. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Obwohl Sonne und Wind seit Jahren mit Hunderten von Millionen Franken subventioniert werden, bleibt ihr Anteil marginal.»

Zuerst die gute Nachricht: Der Endenergieverbrauch der Schweiz ist im vergangenen Jahr gemäss den neuesten Zahlen des Bundesamts für Energie 2,2% gesunken. Der Rückgang ist allerdings weniger auf energiepolitische Massnahmen als auf das warme Wetter zurückzuführen. Die Anzahl der Heizgradtage ist im Vorjahresvergleich 10,6% gesunken, der Verbrauch von Heizöl extraleicht ist 10,1% geschrumpft. Auch der Verbrauch von Erdgas und Strom war rückläufig.

Betrachtet man den Endenergieverbrauch der Schweiz nach Energieträgern im langfristigen Kontext, zeigt sich Bemerkenswertes. Der Anteil des Erdöls am gesamten Endenergieverbrauch betrug 1980 71%. Er ist bis 2018 auf noch 49% geschrumpft. In derselben Zeitspanne ist der Anteil von Gas von 4 auf 14% gestiegen und derjenige der Elektrizität von 18 auf 25%.

Das ist eine gute und schlechte Nachricht gleichzeitig: Der Anteil der Erdöls schrumpft im Trend deutlich – und zwar ohne Zwangsmassnahmen und staatliche Interventionen. Als, zumindest auf den ersten Blick, gute Nachricht kann auch die gestiegene Bedeutung des Gases bezeichnet werden, denn es belastet die Umwelt wesentlich weniger als Erdöl. Allerdings kommen Erdöl und Gas zusammen immer noch auf einen Anteil von 63%. Die fossilen Energieträger dominieren nach wie vor deutlich. Immerhin: 1980 belief sich ihr Anteil noch auf 75%. Der höhere Anteil der Elektrizität ist positiv zu werten, der Schweizer Strommix ist (noch) nahezu CO2-frei.

Ernüchternd fällt der Blick auf die neuen erneuerbaren Energieträger aus. Gemessen am gesamten Endverbrauch beläuft sich der Anteil der Sonne auf gerade einmal 0,3%. Betrachtet man nur die Stromerzeugung, kommen Photovoltaikanlagen auf einen Anteil von 2,9 und Windanlagen auf einen von 0,2%. Während der Anteil der Sonnenenergie gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen ist, bleibt derjenige der Windenergie konstant. Obwohl Sonne und Wind seit Jahren mit Hunderten von Millionen Franken subventioniert werden, bleibt ihr Anteil marginal.

Die wichtigste Erkenntnis liegt auf der Hand, ist allerdings eher unbequem: Es ist illusorisch zu glauben, binnen zweier oder dreier Jahrzehnte die Wirtschaft völlig zu dekarbonisieren, wie dies, auch von staatlichen Stellen, proklamiert wird. Die fast zwei Drittel an fossiler Energie auf null zu senken und durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen, ist auf absehbare Zeit nicht möglich. Entsprechend unrealistische Ziele zu formulieren, führt zu falschen und schlimmstenfalls schädlichen politischen Massnahmen.

Das gilt umso mehr noch, als sich eine Dekarbonisierung und ein gleichzeitig forcierter Ausstieg aus der Kernenergie gegenseitig ausschliessen. Die Kernkraftwerke erzeugten 2018 gut 36% des hierzulande verbrauchten Stroms. Ende 2019 wird das Kernkraftwerk Mühleberg stillgelegt. Entsprechend werden die Stromimporte steigen – aus Kern- oder Kohlekraftwerken. Das ist die Realität, mit ihr gilt es sich auseinanderzusetzen, nicht mit eitlen Träumen.

Leser-Kommentare

Markus Saurer 20.06.2019 - 20:01

So klipp und klar wie Peter Morf brings das sonst kein Journalist auf den Punkt! Vielen Dank.

Willy Huber 21.06.2019 - 09:57
“Entsprechend werden die Stromimporte steigen …” —> so es denn anderswo zu diesem Zeitpunkt (zum Beispiel im Winter) überschüssigen Strom für die Schweiz gibt! Trotz der völlig illusorischen, unerfüllbaren Energiepolitik des damaligen Politstars Doris Leuthard bleibt bislang das Verbot des Baus neuer moderner Atomkraftwerke mit höchstem Sicherheitsstandard (und vernachlässigbarem CO2 Ausstoss) in der Schweiz bestehen, und unser nördlicher Nachbar tut… Weiterlesen »