Märkte / Devisen

Franken erleidet Schwächeanfall

Die Schweizer Währung ist momentan weniger gefragt als üblich. So steigt der Euro erstmals seit 2019 über 1.10 Fr. Und der Dollar notiert nahe der Marke von 91 Rappen.

(AWP) Ein Euro kostet mittlerweile mehr als 1.10 Fr. – so teuer war die Gemeinschaftswährung seit über einem Jahr nicht mehr. Ende 2019 war das letzte Mal, dass der Euro jenseits dieser Marke gestanden hatte.

Und auch der Dollar hat in den letzten Wochen weiter Boden gut gemacht und nähert sich mittlerweile der 0.91er Marke an. Aktuell kostet ein Euro 1.1040 Fr. und der US-Dollar geht zu 0.9070 Fr. um. Zum Vergleich: Mitte Mai war ein Euro noch zu etwas mehr als 1.05 Fr. zu haben, während der Dollar Anfang 2021 bei 0.8784 Fr. den tiefsten Stand seit der Aufhebung des Mindestkurses gesehen hatte.

Der Franken habe derzeit keinen leichten Stand bei den Anlegern, hiess es am Markt. Die Risikobereitschaft sei gestiegen, was nicht zuletzt an den geopolitischen Entspannungen liege.

Sichere Häfen ausser Mode

Sogenannte sichere Häfen wie der Schweizer Franken seien in diesem Umfeld weniger gefragt. Darüber hinaus sei in den letzten Wochen die Zuversicht gestiegen, dass es in vielen Ländern zu einer baldigen wirtschaftlichen Öffnung komme.

Christian Gattiker, der Leiter Research bei Julius Bär, sieht den schwachen Franken denn auch als ein Zeichen der Besserung der Lage. «Der Franken ist in der Regel ein sicherer Hafen. Wenn er zum Euro an Wert verliert, ist das ein Zeichen der Stabilisierung.»

Laut Gattiker könne man die Devisenmarkt-Bewegungen auch in Zusammenhang mit der globalen Rotation bringen, die derzeit an den Märkten stattfinde. «Die Anleger gehen raus aus den sicheren Häfen und dem krisenstabilen Bereich, und dazu gehört auch der Franken, in riskantere Anlagen.»

Raus aus Schweizer Aktien?

Eine etwas andere Erklärung hat der Anlagechef der St. Galler Kantonalbank, Thomas Stucki. Ihm fällt auf, dass im internationalen Vergleich sowohl die grossen Schweizer Aktien als auch der Franken relativ schwach seien. Möglich sei, dass ausländische Anleger, die vor allem in den grossen Schweizer Aktien investiert seien, diese verkauften und dadurch dann auch den Franken.

Bei der UBS sieht der Chef-Stratege Thomas Flury dagegen die aktuelle Bewegung im Zusammenhang mit der Korrektur an den Zinsmärkten. Die Franken-Schwäche ist nach seiner Meinung denn auch eher eine technische Reaktion auf die dort stattfindenden Positionsanpassungen.

Abwertung nur vorübergehend

Er betrachte die aktuelle Franken-Abwertung denn auch als Folge dieser besonderen Umstände und sehe keinen Grund, warum dies der Beginn einer längeren Abwertung sein sollte. Immerhin werde eine Abwertung durch mehrere Faktoren begrenzt: «Die Schweiz ist ein Land, das vom globalen Wachstum mit höheren Exporten (inklusive Tourismus) profitiert. Zudem steigt dadurch die Erwartung, dass die Negativzinspolitik letztendlich infrage gestellt wird. Die Schweizerische Nationalbank hat schon seit mehreren Monaten nicht mehr interveniert, da der Druck auf den Franken nachgelassen hat.»

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