Zum Thema

Frankenabschwächung bringt kaum Entlastung

Die Drittquartalszahlen werden kaum glänzen. Sicher ist, dass die Exportindustrie im Berichtszeitraum keinen leichten Stand hatte.

Nach der jüngsten Erholung notieren die Aktienindizes SMI (SMI 10'853.38 +0.33%) und SPI (SXGE 13'543.66 +0.47%) noch rund 8% unter den Anfang August registrierten Jahreshöchstwerten. Welche Entwicklung die Wirtschaft in diesem Zeitraum real durchlaufen hat, werden die Drittquartalszahlen zeigen. Zum Halbjahr waren die Gewinne durchwachsen ausgefallen, dennoch hatte eine Mehrzahl der Gesellschaften die nach dem Frankenschock heruntergeschraubten Markt­erwartungen übertroffen.

Sicher ist, dass die Exportindustrie keinen leichten Stand hatte, obwohl sich der Franken zum Euro seit Juli abgeschwächt hat. Statt 1.04 Fr. kostet ein Euro inzwischen fast 1.10 Fr. Im August, der letzten verfügbaren Zahl, sanken allerdings die Exporte um 4,5% im Vergleich zum Vorjahr. Die Einbussen betreffend Euroraum waren überdurchschnittlich: Im August wie in den ersten acht Monaten insgesamt schrumpften sie zur Vorjahresperiode 9%. Manche Unternehmen – besonders gefährdet sind Metallindustrie und Maschinenbau – müssen Margeneinbussen in Kauf nehmen, wenn sie nicht Aufträge verlieren wollen. Zudem werden die Auftragspolster aus der Zeit des Euromindestkursregimes langsam abgearbeitet sein, der Einfluss noch ertragsstarker Bestellungen
somit gegen null zurückgehen.

Während der Euro-Effekt eine Entlastung bringen dürfte, verhält es sich mit dem Dollar umgekehrt. Im ersten Halbjahr lag die US-Währung zum Franken über dem Niveau der ersten Hälfte 2014. Dieser gegenläufige – also positive – Basiseffekt wird im zweiten Halbjahr voraussichtlich fehlen, denn bereits in der Vorjahresperiode war der Dollar fest.

Emerging Markets stottern

Da zudem der Wachstumsmotor Emerging Markets stottert, ist auch von dieser Seite wenig Unterstützung zu erwarten. Bereits die Zwischenberichte der besonders betroffenen Luxusgüterhersteller Richemont (CFR 90.88 +1.75%) und Swatch Group (UHR 282.70 +1.07%) unterstrichen dies. Auch Nestlé (NESN 98.27 +0.5%) bekundete Anfang Jahr Mühe in China, wobei ein Teil der Probleme hausgemacht war. Vom dritten Quartal erwarten das Management und die Analysten eine Beschleunigung. ZKB-Analyst Patrik Schwendimann geht von 5,3% organischem Wachstum aus (nach 4,5% im Halbjahr). Nestlé kommen die weltweite Preismacht und der heisse Sommer in Europa entgegen.

Im rohstoffnahen Sektor sind die Risiken nicht geringer geworden. So werden die tiefen Ölpreise ihre Spuren in Unternehmen wie ABB (ABBN 27.47 +1.33%), Sulzer (SUN 106.50 +2.01%) oder SGS (SGSN 2'668.00 +0.83%) hinterlassen.  Pharmaunternehmen sollten vergleichsweise gut abschneiden. Für Novartis (NOVN 81.30 +0.44%) und Roche (ROG 300.75 -0.3%) ­änderte sich die Situation nach den soliden Semesterausweisen nicht.

Ein laues operatives Quartal wird den Grossbanken UBS (UBSG 14.63 +0.21%) und Credit Suisse (CSGN 13.09 +0.42%) zugeschrieben. Die nach wie vor tiefen Zinsen erschwerten es, die Margen in der Vermögensverwaltung zu halten. In der Investmentbank war der Handel im dritten Quartal eher flau. Profitiert haben dürfte CS vom Boom im M&A-Geschäft. UBS könnte durch Verlustvorträge den Ertragsausweis aufpolieren, doch sind erneute Rückstellungen für Rechtsfälle nicht auszuschliessen. Zu Wertberichtigungen könnte sich Credit Suisse veranlasst sehen, und zwar im Zusammenhang mit der neuen Strategie, die CEO Tidjane Thiam vorstellen wird und auf die alle Augen gerichtet sein werden. Der Versicherer Zurich hat bereits auf einen Quartalsverlust aus dem Schadenversicherungsgeschäft hingewiesen.