Meinungen

Frankenproblem

Die Nationalbank ist in ruhigem Fahrwasser. Wie sie mit der permanenten Aufwertung des Frankens umgehen will, ist aber ungewiss. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Philippe Béguelin.

«Die Nationalbank sollte uns einen Vorschlag präsentieren, wie sie mit dem Wechselkurs hantieren will.»

Wie weiter, liebe SNB? Zum 5-Jahr-«Jubiläum» des Frankenschocks steht die Nationalbank gut da. Sie verbucht einen Jahresgewinn von 49 Mrd. Fr. und hat seit Sommer 2019 kaum am Devisenmarkt interveniert.

Das Frankenproblem bleibt. Wäre die Schweiz ein grosses Land, hätte uns Donald Trump längst als Währungsmanipulator verurteilt und Sanktionen angedroht, um uns zur Räson zu bringen. Nur weil wir klein sind, ist es uns erlaubt, ganz viel zu exportieren und trotzdem die Währung zu schwächen – was die Ausfuhren konkurrenzfähiger macht. So setzt uns Trump bloss unter Beobachtung.

Der Überschuss der Schweiz im Aussenhandel ist so hoch wie fast nirgends – gemessen wird im Verhältnis zum BIP. Der Erlös aus dem Export stärkt den Franken als Kapitalzufluss. Ihn investierten die Schweizer früher oft im Ausland in fremder Währung, und dieser Kapitalabfluss milderte den Aufwertungsdruck. Doch seit der Finanzkrise halten die Schweizer viel mehr Franken, der damit erstarkt.

Falls das so bleibt, kann sich die SNB nicht ewig querstellen und den Franken schwächen. Wann und um wie viel sie eine Aufwertung zulassen will, ist ihr Geheimnis. Seit der Freigabe der Wechselkurse 1973 wertet der Franken im Schnitt 3% pro Jahr auf. Soll es auf diesem Pfad weitergehen, oder braucht es, wie seit der Finanzkrise geschehen, etwas mehr? Wie viel verkraftet der Werkplatz?

Im Mandat der SNB steht nichts davon, dass sie den Franken dauerhaft schwächen müsse. Wenn ein stetiger Pfad gelten soll, um Schocks zu vermeiden, ist das ein neuer Auftrag. Die Nationalbank sollte uns einen Vorschlag präsentieren, wie sie mit dem Wechselkurs hantieren will.

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