Meinungen

Frankenstärke spaltet die Schweiz

Die Schweiz ist vom starken Franken schwer betroffen. Ein Kommentar von Clifford Padevit, stellvertretender Chefredaktor.

«Die Frankenstärke spaltet die Schweiz, und das gleich zweifach.»

Die Wirtschaft ächzt unter dem starken Franken. Die massive Aufwertung gegenüber dem Euro von über 1.60 Fr. im Jahr 2007 bis zur Einführung des Mindestkurses 2011 bei 1.20 Fr. steckt Unternehmen noch in den Knochen. Seit Januar braucht es nun einen weiteren Effort, um die nochmalige Aufwertung zu verdauen. Der hohe Aussenwert des Frankens hat aber nicht nur Nachteile. Darum zeigt sich immer mehr: Die Frankenstärke spaltet die Schweiz, und das gleich zweifach.

Die Binnenwirtschaft floriert, die Konsumausgaben steigen substanziell. Das hat mit den Preisen zu tun, die dank günstigeren Importen ins Rutschen gekommen sind. Beispielhaft dafür stehen die Autoverkäufe, die deutlich angezogen haben. Andererseits leidet die exportorientierte Wirtschaft. Das ist die Folge höherer Preise für Schweizer Produkte für ausländische Käufer.

Aber es gibt noch einen zweiten Graben, der sich in den Halbjahresresultaten der kotierten Unternehmen zeigen wird. Die weltumspannenden Konzerne spüren die Frankenstärke wenig, wie das Beispiel des Prüfkonzerns SGS oder des Riechstoffherstellers Givaudan beweist. Bei kleineren Unternehmen aber wird die Frankenstärke voll durchschlagen, weil sie die Mehrheit der Kosten in Franken verbuchen und auch Schweizer Vorleistungen beziehen. Erste Gewinnwarnungen gab es schon.

Der Lauf der Binnenwirtschaft und die Resultate der multinationalen Konzerne dürfen deshalb nicht darüber hinwegtäuschen: Die Schweiz ist derzeit schwer getroffen. Die Anpassung der Betriebe an die neue Realität wird Arbeitsplätze kosten und auf die Konsumstimmung drücken. Die Freude über die günstigeren Preise importierter Waren könnte darum bald vergehen.