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Macron und Le Pen in der Stichwahl – Börse legt zu

Emmanuel Macron und Marine Le Pen kämpfen liefern sich ein enges Rennen um den Sieg in der ersten Wahlrunde in Frankreich. Die Märkte reagieren erleichtert.

(Reuters) In die Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich gehen der europafreundliche Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen. Die beiden lieferten sich am Sonntag im ersten Wahlgang lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Gegen Ende wurde der Vorsprung des Linksliberalen dann deutlicher: Laut Angaben des Innenministeriums vom frühen Montag lag Macron nach Auszählung fast aller Stimmen mit 23,9% vorne vor Le Pen, auf die 21,4% entfielen. Die Kandidaten der 60 Jahre lang das Staatsoberhaupt stellenden Konservativen oder Sozialisten schafften es nicht in die zweite Runde am 7. Mai. Für diese sagten die noch am Abend veröffentlichte Umfragen dem unabhängigen Macron fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit vorher. Macron kündigte an, er wolle das europäische Projekt erneuern und sich rasch eine Mehrheit im Parlament verschaffen.

Insgesamt waren rund 47 Mio. Franzosen zur Abstimmung aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 80%. Politiker der unterlegenen Lager riefen zur Wahl Macrons in der zweiten Runde auf. So appellierte der sozialistische Regierungschef Bernard Cazeneuve an seine Landsleute, für Macron zu stimmen und dem Front National eine Niederlage zu bereiten. Auch mehrere Politiker in Europa drückten ihm ihre Unterstützung aus. Der 39-Jährige könnte der jüngste Präsident werden, der in den Elysee-Palast einzieht.

«In einem Jahr haben wir das Gesicht der französischen Politik verändert», sagte Macron, dessen Bewegung «En marche!» (Vorwärts!) erst vor einem Jahr gegründet wurde. Er wolle eine Mehrheit bilden, um mit neuen Gesichtern zu regieren. «Ich will der Präsident der Patrioten sein gegen die Bedrohung durch die Nationalisten.» Macron reagierte damit auf die 48-jährige Le Pen, die vor ihren Anhängern «alle Patrioten» aufgerufen hatte, sie zu unterstützen.

Le Pen nannte ihr Ergebnis «historisch». Es sei an der Zeit, das französische Volk von der «arroganten Elite» zu befreien. Mit Macron, den sie als Erbe des scheidenden Präsidenten Francois Hollande titulierte, werde sich nichts ändern: «Frankreichs Überleben steht auf dem Spiel.» Hollande gratulierte Macron in einem Telefonat zum Einzug in die Stichwahl. Der bei den Wählern unbeliebte Sozialist hatte auf eine Kandidatur für eine zweite Amtszeit verzichtet.

Der konservative Kandidat Francois Fillon, der mit 19,9% an dritter Stelle lag, gestand seine Niederlage ein und warb ebenfalls um Unterstützung für Macron: «Es gibt keine andere Wahl, als gegen die extreme Rechte zu stimmen.» Auch der Linke Jean-Luc Melenchon, der wie Le Pen für einen Austritt aus der Euro-Zone eintrat, schaffte es mit 19,5% an vierter Stelle nicht in die Stichwahl. Er hatte in den Wahlumfragen zuletzt deutlich aufgeholt. Melenchon sagte, er werde für den 7. Mai keine Empfehlung abgeben. Insgesamt waren elf Kandidaten angetreten.

Glückwünsche für Macron aus Brüssel und Berlin

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gratulierte Macron. Juncker wünsche ihm für die Stichwahl viel Erfolg, sagte ein Sprecher des Kommissionspräsidenten. Auch der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel wünschte Macron viel Glück.

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel zeigte sich erleichtert über den Einzug Macrons in den zweiten Wahlgang. Der SPD-Politiker twitterte: «Bin froh, dass Emmanuel Macron Wahlen anführen wird. Er war der einzige wirklich pro-europäische Kandidat.»

Erleichterung an den Märkten

Unter Finanzmarktexperten sorgte der Ausgang des ersten Wahlgangs für Erleichterung – sie hatten eine Stichwahl zwischen den Euro-Gegnern Le Pen und Melenchon gefürchtet. Der französische Aktienindex CAC 40 (PX1 5643.08 -0.4%) eröffnet deutlich stärker und steigt auf den höchsten Stand seit zwei Jahren. «Es ist nicht zu einem Horror-Ergebnis gekommen, das die Stabilität der Währungsunion bedroht hätte», sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank (CBK 5.232 0.69%): «Es werden nicht Links- und Rechtsradikale gemeinsam in die zweite Runde gehen. Das ist sehr gut.» Dass Le Pen nicht stärker als in den Umfragen abgeschnitten habe, senke die Risiken, dass es in der entscheidenden Runde schief gehen könnte, sagte Krämer. «Deshalb gehen wir davon aus, dass Macron neuer Präsident wird.»

Le Pen lehnt den Euro ab und befürwortet die Rückkehr zu nationalen Währungen. Macron dagegen ist ein Befürworter der EU und der Euro-Zone, er hat sich aber auch kritisch über die deutsche Exportstärke geäussert. Dennoch war er von deutschen Regierungsmitgliedern öffentlich unterstützt worden. Der Euro reagierte mit Kursgewinnen erreichte gegenüber dem Dollar den höchsten Wert seit gut fünf Monaten.

Bis zuletzt war Umfragen zufolge knapp ein Drittel der Wahlberechtigten unentschlossen. Meinungsforschern zufolge bestimmten die Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftsentwicklung und die Glaubwürdigkeit der Politiker die Entscheidung der Wähler. Aber auch die Sicherheit spielte eine grosse Rolle. Erst am Donnerstag war in Paris bei einem Attentat ein Polizist getötet worden, eine deutsche Touristin war verletzt worden. Noch immer herrscht in Frankreich der Ausnahmezustand. Seit Anfang 2015 wurden dort mehr als 230 Menschen bei Anschlägen getötet.

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