Unternehmen / Schweiz

Franz B. Humer folgt Fritz Gerber ins Präsidium – Walter Frey überraschend als VR nominiert – Ebner ist nicht der grösste Einzelaktionär

Peter Schuppli

Die jüngste Meldung von Roche enthielt sowohl Erwartetes wie auch Überraschendes. Erwartet wurde die Ankündigung, dass Franz B. Humer an der Generalversammlung vom 4. April 2001 zum Nachfolger von Fritz Gerber im VR-Präsidium gewählt werden soll. Gerber wird als Sprecher des Familienaktionärspools Mitglied des Verwaltungsrats bleiben. In Anerkennung seiner Dienste für Roche soll er zudem zum Ehrenpräsident ernannt werden.
Humer wird somit wie früher Gerber in einer Doppelfunktion fungieren: Als VR-Präsident mit Aufsichts- und Überwachungsfunktion sowie als Vorsitzender der Konzernleitung mit operativer Verantwortung. Die gleiche Situation besteht an der Spitze von Novartis. Da führt Daniel Vasella ebenfalls in Personalunion. Vorteil einer solchen Konstellation ist die Flexibilität dank des kurzen Entscheidungswegs. Als Nachteil kann sich die Überlagerung von Aufsichts- und Führungsaufgaben dann erweisen, wenn die übrigen VR-Mitglieder nicht konsequent ihren Überwachungspflichten nachkommen.
Überraschend war die Nomination von Walter Frey, Unternehmer und Fraktionspräsident der SVP, zur Wahl in das VR-Gremium. Der VR-Präsident der europäisch tätigen Autogruppe Emil Frey AG ersetzt den altershalber zurücktretenden Alt- Regierungsrat Prof. Kurt Jenny, der 1992 in den Roche-VR gewählt wurde. Wer den Namen Frey hört, denkt gleich an Martin Ebner, deren gemeinsamer Bekannter Ems-Chemie-Mehrheitsaktionär und SVP-Nationalrat Christoph Blocher ist. Was läge deshalb näher als die Annahme, der Vorschlag Frey ziele darauf ab, den Zwist zwischen Roche und dem kritischen Grossaktionär Ebner zu entschärfen
Ebner hatte selbst den Wunsch, seine Interessen direkt im Roche-Verwaltungsrat zu vertreten. Einen entsprechenden Antrag zog er allerdings noch vor der letzten Generalversammlung zurück.

Ein guter Bekannter

Frey ist im Hause Roche kein Unbekannter, gehörte der erfolgreich im Automobilhandel tätige Unternehmer bis vor etwa eineinhalb Jahren dem Aufsichtsrat der Roche Grenzach an. Frey und Roche-Präsident Gerber kennen sich auch aus der gemeinsamen VR-Tätigkeit für die «Zürich»-Tochter Alpina. Frey wird indes an der nächsten GV ausscheiden.
Freys Ernennung wird von Kurt Schiltknecht, Sprecher der BZ Gruppe Holding als «Schritt in die richtige Richtung» bezeichnet. Gegenüber «Finanz und Wirtschaft» erklärte Schiltknecht, dass in den Gesprächen mit Roche dargelegt worden sei, wie man sich einen Verwaltungsrat vorstelle: unabhängig, erfolgreich und mit Leistungsausweis. Frey passt in diese Vision. Der Vorschlag Frey stamme jedoch von Roche, sagt Schiltknecht.
Im Übrigen gewährte Roche erstmals Einblick in die Zusammensetzung des Familienaktionärspools. In diesem sind 800200 Roche Inhaberaktien zusammengefasst. Das sind 50,01% der Aktienstimmen. Davon besitzen Vera Oeri-Hoffmann und Lukas Hoffmann allein je über 390000 Aktien, entsprechend einem Anteil von 24,4%. Der Rest entfällt auf die Kinder der beiden Aktionäre, Vera Michalski-Hoffmann, Maja Hoffmann, André Hoffmann, Andreas Oeri, Sabine Duschmalé-Oeri, Catherine Oeri, Beatrice Oeri und Maja Oeri. Die Stimmkraftverteilung überrascht wohl auch Martin Ebner, der bislang angenommen hat, er sei mit seinen gut 16% Roche Inhaberaktien der grösste Einzelaktionär.
Was den Geschäftsverlauf und die Aussichten des Roche-Konzerns anbelangt, bestätigt der scheidende VR-Präsident Gerber die von seinem designierten Nachfolger bereits früher gemachten Aussagen: Im laufenden Jahr wird der Konzerngewinn ohne ausserordentliche Faktoren um 10 bis 15% auf 5,5 bis 5,8 Mrd. Fr. steigen. Das Wachstum der für die Ertragsentwicklung entscheidenden Pharmadivision wird «im tiefen einstelligen Bereich» erwartet. Ziel des Managements ist es aber, den Pharmaumsatz im Jahr 2001 auf 7 bis 8% zu heben und damit wieder auf die Höhe des weltweiten Marktwachstums zu gelangen.

Kursscharte auswetzen

Basierend auf dieser Perspektive und davon ausgehend, dass der Vitaminfall im nächsten Jahr bereinigt und abgehakt werden kann, müssten die Roche-Valoren im Stande sein, die im Jahr 2000 erlittene Kursscharte auszuwetzen. Mehr Zuversicht als auch schon ist, was die künftige Entwicklung von Roche anbelangt, vom Sitz der BZ Gruppe Holding zu vernehmen. Der Antrag, Walter Frey in den Roche-VR aufzunehmen, hat bereits vor der Wahl offensichtlich guten Einfluss auf das Verhältnis von Basel und Wilen.

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