Meinungen

Freude in Peking

Trumps Ankündigung, das transpazifische Freihandelsabkommen zu annullieren, ist ein strategischer Fehler erster Güte. China packt diese Chance dankbar. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Mark Dittli.

«Während Trump poltert, handelt Xi strategisch und präsentiert sich als Garant des Freihandels. »

Donald Trump hat gesprochen. In einer Videobotschaft gelobte der künftige Präsident der Vereinigten Staaten am Montag, als erste Amtshandlung die Teilnahme der USA am transpazifischen Freihandelsabkommen TPP zu annullieren. Nur wenige Stunden zuvor hatte Japans Premier Shinzo Abe gewarnt, die Trans-Pacific Partnership sei ohne Teilnahme der USA sinnlos.

TPP, eines der Vorzeigeprojekte der Asienstrategie von Barack Obama, ist tot. Das hat geostrategische Konsequenzen, die weit über die Frage von Freihandel versus Protektionismus hinausgehen. Trump mag in der heimischen Wählerschaft punkten, aber er stärkt mit dem Schritt vor allem den grossen Rivalen in Asien: China.

Nichts symbolisiert das neue Kräfteverhältnis im asiatisch-pazifischen Raum besser als der Auftritt von Xi Jinping. Chinas Staatspräsident war am Wochenende am Apec-Gipfel in Lima das unangefochtene Schwergewicht. Obama – der notabene seine Präsidentschaft vor acht Jahren mit einem strategischen Fokus auf Asien begann – ist bloss noch eine Fussnote.

Während Trump poltert, handelt Xi strategisch und präsentiert sich als Garant des Freihandels. Seine Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) bietet den enttäuschten TPP-Unterzeichnerstaaten einen neuen Handelsraum an.

Von Chile und Peru bis zu Malaysia und Vietnam: In allen aufstrebenden Ländern des asiatisch-pazifischen Raums müssen sich die Regierungen fragen, ob sie künftig in Peking einen möglicherweise verlässlicheren, sicher aber längerfristig denkenden Partner haben als in Washington.

Die Art und Weise, wie Amerikas Politik ihre Verbündeten in Asien vor den Kopf gestossen hat, dürfte sich dereinst rückblickend als einer der grössten strategischen Fehler Washingtons des 21. Jahrhunderts erweisen. Xi Jinping wird sich freuen.

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