Meinungen

Frieden an der Währungsfront

Es ist ein politischer Schritt, dass China von den USA nicht mehr als Währungsmanipulator bezeichnet wird. Der Yuankurs bleibt aber fixiert. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«China hat sich verpflichtet, eine Abwertung des Yuans zu verhindern.»

China bleibt ein Währungsmanipulator – wenn man unter dem Begriff versteht, dass die Regierung in Peking den Wechselkurs des Yuans weiterhin nicht freigeben, sondern in einem engen Rahmen führen wird. Daran wird sich auch nichts ändern, nachdem das US-Finanzministerium das Land nun nicht mehr als Manipulator brandmarkt. So gelten in China nach wie vor strenge Kapitalverkehrskontrollen.

Was sich aber ändert: Die Volksrepublik hat sich verpflichtet, eine Abwertung der Währung zu verhindern – Beobachter nehmen an, dass sich faktisch eine Grenze von 7 Yuan je Dollar als rote Linie etablieren wird. Wenn der Yuan höher bewertet ist (und der Wechselkurs also unter der Grenze von 7 Yuan/$ liegt), wird die US-Regierung sich über das Wechselkursregime nicht mehr beschweren – egal, wie stark gesteuert der Devisenkurs tatsächlich ist.

Der Yuan hat sich seit Anfang Dezember über 2% aufgewertet und ist damit so stark wie seit Anfang August nicht mehr. Damals reagierte das US-Finanzministerium auf die Abwertung der chinesischen Währung mit der Stigmatisierung der Volksrepublik in ihrem Bericht über Währungsmanipulatoren.

Im August ging daher die Angst um, dass sich der Handelskrieg auf den Devisenmarkt auswirkt. Das damalige Szenario: ein Währungskrieg, in dem China eine Yuanabwertung instrumentalisiert, um höhere US-Zölle auszugleichen. Dagegen würden die USA am Devisenmarkt intervenieren. Das hätte zu noch grösserer Unsicherheit an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft geführt und die Spannungen zwischen den Supermächten intensiviert.

Dieses Szenario war jedoch unwahrscheinlich, weil China selbst ein Interesse hatte, eine allzu starke Abwertung zu verhindern. Denn die Angst vor einer anhaltenden Abwertung des Yuans hätte die Kapitalflucht aus China angeheizt.

Die Höhe der Währungsreserven Chinas wird wohl bei über 3000 Mrd. $ belassen. Obwohl diese Reserven durch Interventionen am Devisenmarkt entstanden sind, gibt es keinen Druck der USA, sie abzubauen. Chinas Devisenbestand hat sich seit 2017 kaum verändert: Kapitalverkehrskontrollen haben die Rolle der direkten Interventionen am Devisenmarkt übernommen.

Die Reserven haben weiterhin einen Nutzen: Sie sind eine Art Versicherung für chinesische Bürger und ausländische Anleger, dass sich die Zentralbank der Volksrepublik schnell gegen Abwertungsdruck stemmen könnte. Das vereinfacht die Aufgabe, den Wechselkurs zu stabilisieren.

Man kann lange darüber streiten, was für ein Wechselkurs sich zwischen Yuan und Dollar etablieren würde, wenn er sich frei am Devisenmarkt bilden könnte. Ob die chinesische Währung nun unter- oder überbewertet ist, bleibt eine theoretische Frage und hat wenig Relevanz für Anleger und Wirtschaftsakteure.

Auch bleibt festzuhalten: Der neue Frieden an der Währungsfront und die Verpflichtung der Volksrepublik zur Währungsstabilisierung werden kaum etwas am Ungleichgewicht in der Handelsbilanz zwischen den USA und China verändern. Viel wichtiger ist die symbolische Kraft: Die Furcht vor einem Währungskrieg ist gebannt, und der Yuanwechselkurs sollte auf absehbare Zeit nicht für zusätzliche Volatilität sorgen.

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