Meinungen

Front Running

Wenn Manager Aktien des eigenen Unternehmens kaufen oder verkaufen, sollte das nicht überbewertet werden. Genau hinschauen lohnt sich trotzdem. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Ivo Ruch.

«Trotz aller Hürden sind die Management-Transaktionen für Anleger ein wichtiges Puzzleteil.»

Die Management-Transaktionen sind ein Dschungel an Informationen. Die Führungsriege von SMI- und SLI-Unternehmen hat in den ersten sechs Monaten des Jahres im Umfang von mehr als 700 Mio. Fr. mit eigenen Aktien gehandelt. Jede solche Transaktion löst an der SIX eine Meldung aus.

Wer mehr zu den einzelnen Trades wissen möchte, gerät in ein Dickicht aus Optionsplänen und Vergütungsprogrammen. Welcher Manager genau hinter den Käufen und Verkäufen von eigenen Titeln steckt, ist nicht zu erfahren – mit wenigen löblichen Ausnahmen wie Nestlé (NESN 106.02 -0.23%). Das ist ärgerlich und verstärkt das Gefühl, es könnte Insiderhandel betrieben werden. Was können die Unternehmen mit zusätzlicher Transparenz schon verlieren? Die Mehrheit der Trades ist ohnehin systembedingt.

Trotz aller Hürden sind die Management-Transaktionen für Anleger ein wichtiges Puzzleteil. Denn immer wieder handeln die Manager opportunistisch und drücken mit ihren Aktionen die Sicht auf das eigene Unternehmen aus. Die AMS-Führung etwa sorgte im letzten Jahr für Aufsehen, weil sie kurz vor einer Gewinnwarnung im grossen Stil eigene Aktien verkaufte und so weniger Geld verlor.

Jeden umfangreichen Verkauf als Gewinnmitnahme zu interpretieren, wäre indes falsch. Rasch kann sich das vermutete Front running als etwas ganz anderes entpuppen: Die Steuerrechnung muss bezahlt werden oder eine teure Scheidung steht ins Haus. Nein, eine Handelsstrategie sind die Transaktionen der Unternehmenslenker nicht. Sie sollten aber gerade bei grösseren Engagements in die Gesamtbeurteilung miteinbezogen werden.

Leser-Kommentare