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Meinungen

Fünfer und Weggli

«Den Umweltverbänden geht es offenbar weniger um eine umweltfreundliche Energiepolitik als um die Durchsetzung ihrer politischen Positionen.»
Naturschutzorganisationen meinen es mit der «grünen Energie» offenbar nicht so ernst. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

Es ist eine unendliche Geschichte: Seit Jahren schon schwelt der Streit über den Ausbau der Wasserkraft an der Grimsel im Berner Oberland. Die Kraftwerke Oberhasli (KWO) möchten die Staumauer des Grimselsees 23 Meter erhöhen und so die Speicherkapazität des Sees nahezu verdoppeln. Umweltschutzverbände erhoben dagegen Einsprachen. Sie beriefen sich dabei auf den verfassungsmässigen Schutz der Moorlandschaften. Nun hat das Bundesgericht die Einsprachen abgewiesen und den KWO recht gegeben.

Die praktische Bedeutung des höchstrichterlichen Entscheids allerdings ist eher gering. Die KWO werden nun nicht umgehend mit dem Bau beginnen. Im Gegenteil: Das Projekt des Ausbaus der bestehenden Pumpspeicherkapazitäten liegt seit einiger Zeit auf Eis. Grund dafür sind die in den Keller gefallenen Strompreise, das Projekt rechnet sich in der gegenwärtigen Marktverfassung nicht.

Das Verhalten der beschwerdeführenden Umweltverbände hingegen spricht Bände. Sie stehen hinter der Energiestrategie 2050 des Bundesrats und befürworten das erste Massnahmenpaket, das im Mai zur Abstimmung kommt. Sie verlangen also, dass die Stromproduktion in der Schweiz auf erneuerbare Energien umzustellen ist – dazu gehört die Wasserkraft.

Gleichzeitig allerdings erheben sie Einsprachen gegen neue Staumauern oder gegen Windräder an exponierten Stellen. Etwas provokativ ausgedrückt heisst das: Wir wollen zwar «grünen Strom», aber die Produktion bitte soll irgendwo stattfinden, nur nicht in unseren schönen Landschaften. Das ist nichts anderes als die berühmte «Fünfer und Weggli»-Politik.

Sie zeichnet sich nicht durch einen besonderen Realitätssinn, sondern durch irreales Wunschdenken aus. Wunschdenken bleiben auch die in der Energiestrategie verankerten Richtwerte für die Produktion aus erneuerbaren Energien: Sie sind schon technisch kaum erreichbar, mit der genannten Politikmaxime erst recht nicht. Den Umweltverbänden geht es offenbar weniger um eine umweltfreundliche Energiepolitik als um die Durchsetzung ihrer politischen Positionen.