Märkte / Derivate

Fulminanter Jahresstart der ETF

Im Januar ist so viel Geld wie noch nie in börsennotierte Fonds geflossen. Die USA, Japan und Schwellenländer sind stark gefragt. Zudem wächst das Interesse an einem anderen asiatischen Land.

(AWP) Der Markt für börsennotierte Fonds (ETF) hat zum Auftakt 2018 das Tempo nochmals beschleunigt. Wie die aktuellen Daten zeigen, hat die Branche im Januar weltweit 100,6 Mrd. $ eingesammelt – so viel wie noch nie zuvor in einem Monat. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr beliefen sich die Zuflüsse auf 633 Mrd. $.

Fast euphorisch fällt denn auch der Kommentar von Christian Gast von iShares aus. Der Januar 2018 sei für die Branche «ein gewaltiger Monat» gewesen, sagt der Head iShares und Index Investing bei BlackRock (BLK 411 1.01%) Schweiz im Gespräch mit AWP.

Nima Pouyan, Head of Invesco Power Shares Switzerland, ergänzt, die Zuflüsse in Aktien-ETFs seien relativ breit über diverse Regionen und Sektoren verteilt gewesen. Gleichzeitig fiel aber auf, dass sich Investoren eher extrem positionierten. «Investoren haben sich entweder sehr defensiv positioniert oder haben Risiken aufgebaut.»

Wie die wöchentlichen Statistiken der Bank of America (BAC 27.75 -0.54%) Merrill Lynch (BofAML) zeigen, ist zwischen Ende Dezember und Mitte Januar so viel Geld in Aktien geflossen wie noch nie zuvor. Dabei haben Investoren vor allem auf US-Aktien gesetzt. ETFs, die auf US-Aktien ausgerichtet sind, haben im Januar annähernd 36 Mrd. $ eingesammelt.

Japan und Schwellenländer weiter stark

Stark gefragte waren aber auch weiterhin ETFs auf japanische Aktien sowie Aktien und Bonds aus den Schwellenländern. So haben japanische Aktien-ETFs mit rund 12 Mrd. $ an Zuflüssen einen monatlichen Rekord gesetzt. Auch in der Region Schwellenländer setzten ETFs auf Aktien mit Zuflüssen von knapp 11 Mrd. $ und auf Anleihen mit 4 Mrd. $ neue Bestmarken.

An den Begründungen für diese anhaltend starke Nachfrage nach diesen Produkten aus den verschiedenen Regionen, hat sich in den vergangenen Monaten nicht viel geändert. So sehen Experten wie Gast die US-Steuerreform nach wie vor als treibende Kraft für US-Aktien ETFs. In Japan spricht die anhaltend lockere Geldpolitik der Bank of Japan sowie die attraktive Bewertung für ein Engagement. Den Schwellenländer-Produkten sind der zuletzt schwächere US-Dollar und steigende Rohstoffpreise zugutegekommen.

China verstärkt im Interesse

Im Laufe des Monats verstärkt ins Interesse der Investoren gerückt ist China. Laut den wöchentlichen Statistiken von iShares hatte das besser als erwartet ausgefallene Wirtschaftswachstum des Landes für erhöhte Zuflüsse bei ETFs auf chinesische Aktien gesorgt.

Sven Württemberger von der Deutschen AM überrascht das stärkere Interesse nicht. Der chinesische Aktienmarkt sei attraktiv. Dafür sprechen verschiedene Faktoren wie die zuletzt erhöhte Prognose für das Wirtschaftswachstum 2018, der starke private Konsum und die Stabilisierung der Rohstoffpreise, führt der Leiter Vertrieb Passive Investments Schweiz weiter aus.

Im Bereich Fixed Income trieben vor allem zwei Fragen die Anleger im Januar um. So fragten institutionelle Investoren, ab welchem Niveau die Anleiherenditen zu einer Korrektur an den Aktienmärkten führen könnten. Private Investoren fragten dagegen verstärkt nach Mitteln und Wegen, um sich gegen Inflation abzusichern, heisst es bei der BofAML.

Inflationsängste: ETFs auf Tips stützen

Die Inflationsängste der Investoren seien durch den US-Arbeitsmarktbericht geschürt worden, erklärt Andreas Zingg von Vanguard. «Gleichzeitig wird befürchtet, dass die US-Steuerreform sowie die geplanten Infrastrukturausgaben zu einer Überhitzung der US-Wirtschaft führen könnten», führt der Head of ETF Distribution Management gegenüber AWP weiter aus.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Investoren gerade bei ETFs auf TIPS wieder zugegriffen haben. TIPS steht für «Inflation protected Treasuries» und sind quasi eine Absicherung gegen Inflation. Man bezeichnet TIPS auch als inflationsgeschützte Anleihen, da sie an den Inflationsindex gebunden sind. Alleine in den letzten drei Januar-Wochen haben die wöchentlichen Zuflüsse jeweils zwischen 1 und 1,7 Mrd. $ gelegen und damit auf Rekordniveau.

Volatilität ist gut

Richtung Monatsende hat auch die Volatilität an den Märkten bereits zugenommen. Bei ETF Securities sieht Rohstoffstratege Nitesh Shah dies als eine Kaufgelegenheit für ETF-Investoren. Ähnlich klingt die Einschätzung vom iShares-Experten Gast: «Eine höhere Volatilität ist grundsätzlich gut für die Nettoflüsse.» Vor allem nach einer Korrektur, wenn die Märkte wieder in die Erholungsphase einträten, könne man eine stärkere Nachfrage nach ETFs beobachten – oft auch von solchen Anlegern, die diese Anlageklasse dann zum ersten Mal testeten.

Gründe für dieses Verhalten dürften die hohe Liquidität und günstige Kostenstruktur dieser Asset-Klasse sein. Wie die Anbieter von ETFs immer gerne betonen, bieten diese Fonds Investoren eine günstige Alternative, die Entwicklung grosser Indizes nachzubilden.

 

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