Unternehmen / Energie

Für Versorger bleibt der Weg steinig

Während Repower hohe Wertberichtigungen auf geplanten und bestehenden Kraftwerken vornehmen muss, feilt Alpiq an der neuen Strategie. Doch auch dort steht die Rentabilität der Produktion weiter auf dem Prüfstand.

Claudia Carl und Martin Gollmer

Der Markt – oder besser: der verzerrte Markt – im Strombereich spielt den Schweizer Versorgern übel mit. Zu Wochenbeginn haben deshalb zwei von ihnen mit neuen Mass­nahmen reagiert: Repower nimmt ausserordentliche Wertberichtigungen vor, Alpiq verschlankt die Organisation und richtet ihr Portfolio neu aus.

Kaum steht die Grosse Koalition in Deutschland, kommt der Bündner Energiekonzern Repower zum Schluss, «dass eine konsequente und wirksame Energiemarktreform auf sich warten lassen wird», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Die Förderung neuer erneuerbarer Energien wie Sonne und Wind werde «voraussichtlich weiter auf Basis von marktverzerrenden Einspeisevergütungen» verfolgt.

Keine Erholung erwartet

Und: «Auch die schweizerische Energiepolitik zeigt bis jetzt keine Weichen­stellung hin zu marktorientierten Fördersystemen.» Es müsse daher davon aus­gegangen werden, «dass sich die heute sehr tiefen Strompreise in absehbarer Zeit nicht erholen werden und dass der Markt weiter mit subventioniertem Strom überschwemmt wird», so Repower.

Das hat Konsequenzen für den Wert neuer Projekte und bestehender Anlagen: Weil sich der Strompreis, mit dem ihre Rentabilität einst berechnet wurde, bis auf weiteres nicht erzielen lässt, müssen ­Wertberichtigungen gemacht werden. ­Repower beziffert diese für Kraftwerks­projekte – darunter Chlus (Wasser), Lagobianco (Pumpspeicher), Leverkusen (Gas und Dampf) und Saline Joniche (Kohle (Kohle 129.25 0%)) – auf 110 Mio. Fr. und für bestehende Anlagen im In- und Ausland auf 55 Mio. Fr. Die Liste der betroffenen Vorhaben zeigt, dass alle traditionellen Stromerzeugungsarten unter den Marktverzerrungen leiden.

Zudem nimmt Repower auf lang­fristigen Verträgen Wertberichtigungen von nochmals 55 Mio. Fr. vor. Gemeint sind Verträge, mit denen sich der Konzern den Bezug von Energie zu Preisen gesichert hat, die sich im jetzigen Umfeld beim Verkauf nicht mehr erzielen lassen. Alle Abschreibungen zusammen führten dazu, dass für das Geschäftsjahr 2013 entgegen der bisherigen Erwartung mit einem «substanziellen Reinverlust» gerechnet werden müsse.

«Finanz und Wirtschaft» passt die Gewinnschätzung für 2013 deshalb an: Statt mit einem Gewinn von bisher 8 Fr. pro ­Aktie wird neu mit einem Verlust von 50 Fr. je Titel gerechnet. Das operative ­Ergebnis vor ausserordentlichen Wertberichti­gungen soll für 2013 gemäss Repower aufgrund der anhaltend schwierigen Bedingungen auf den Energiemärkten rund 10% unter Vorjahreswert (110 Mio. Fr.) zu ­liegen kommen.

Weiter hat Repower bekanntgegeben, aus dem Kohlekraftwerkprojekt Saline ­Joniche bis spätestens Ende 2015 «geordnet» – d. h. unter Wahrung der Ansprüche aller Stakeholder – aussteigen zu wollen. Notwendig geworden war dieser Ausstieg nach einer Volksabstimmung im September, in der eine Mehrheit des Bündner Stimmvolks eine Bestimmung in die ­Kantonsverfassung aufnehmen liess, ­wonach Unternehmen mit Beteiligung des Kantons nicht mehr in Kohlekraft ­investieren dürfen. Der Kanton Graubünden hält 58,3% des Kapitals von Repower.

In welchem Umfang Wertberichtigungen für den Stromkonzern Alpiq, ehemals Grossaktionär von Repower, zum Tragen kommen, ist noch offen. Im November hatte das Unternehmen erklärt, der Preiszerfall im Stromgrosshandel habe unmittelbare Auswirkungen auf die Rentabilität der Kraftwerke und somit auf die Profitabilität in den kommenden Jahren. «Sollten die Preise langfristig auf diesem tiefen Niveau bleiben, hätte dies einen Einfluss auf die Werthaltigkeit des gesamten Energiesektors», sagte ein Sprecher nun. Dies gelte besonders für Versorger.

Wertberichtigungen in Milliardenhöhe hatten das Unternehmen 2011 und 2012 in die roten Zahlen geschickt. Die Jahre waren von Schuldenabbau, Restrukturierung und zahlreichen Devestitionen im In- und Ausland geprägt. Für 2013 erwartet «Finanz und Wirtschaft» einen Überschuss von 5.82 Fr. je Aktie. Gemessen an den Aussichten für 2014 sind die Titel im Sektor stattlich bewertet.

Umbau geht weiter

Alpiq forciert den Konzernumbau nun und will die Kostenbasis weiter um 100 Mio. Fr. senken, wie die Gesellschaft mitgeteilt hat. Der Stromkonzern plant unter anderem ein stärkeres Engagement in der Bewirtschaftung von dezentralen Pro­duktionsanlagen, im Energiemanagement von Gebäuden und in Kleinstnetzwerken. Die Strategie sieht vor, mit Partnern in der Schweiz und im europäischen Ausland ­selektiv in das Retailgeschäft einzusteigen und den Kraftwerkspark anzupassen.

Alpiq will an «ausgewählten Stand­orten in Europa» in neue erneuerbare ­Energien investieren und fossile Anlagen betreiben sowie Projekte in der Schweiz evaluieren. Die genaue Strategie bleibt vage, und die finanziellen Folgen sind unklar. «Konkretere Angaben zum geplanten Investitionsvolumen und den möglichen Standorten für neue Anlagen in Europa sowie in der Schweiz macht Alpiq zum jetzigen Zeitpunkt nicht», heisst es. Zur Wasserkraft erklärt das Unternehmen, sie brauche wirtschaftlich tragbare Rahmenbedingungen.

Auch die Schweizer Versorger BKW (BKW 121.40 -0.16%) und CKW sind gefordert, sich auf die ­Umbrüche im Energiesektor einzustellen. Die Zentralschweizer etwa investieren für ihren neuen Produktionsmix 3 Mrd. Fr. bis 2050, davon fliessen 80% in erneuerbare Energien, auch ins Ausland. BKW passt das Anlagenportfolio ebenfalls an.

Nicht nur national, auch im euro­päischen Kontext nimmt der Einfluss der Politik auf das Geschäft der Versorger zu. Anleger mussten auch deshalb in den vergangenen Jahren deutliche Kursverluste und Dividendenkürzungen in Stromvaloren hinnehmen. Wie schnell sich das derzeitige Bild mit unklaren ­Rahmenbedingungen und gedämpften Marktaussichten aufhellt, ist fraglich.