Blogs / Momentum

Furcht vor einem Währungskrieg

Die chinesische Notenbank würde mit einer Abwertung des Yuans zwar den Aussenhandel stützen – aber auch viel riskieren.

Alexander Trentin

George Magnus, ehemaliger Chefökonom der UBS, warnt in seinem Blog vor einem Währungskrieg: «Wenn China sich gegen die USA weiter wehren will, muss es eine Kombination aus einer Währungsabwertung und einer sanktionierenden Kontrolle und Regulierung gegen amerikanische Produkte und Unternehmen anwenden.» Eine Abwertung der Währung vergünstigt chinesische Güter im Ausland und fördert damit die Exporte. China würde nur 150 Mrd. $ an Waren aus den USA importieren – die Strategie, auf neue US-Zölle mit Gegenzöllen zu reagieren, sei daher fast ausgeschöpft.

Der chinesische Yuan müsse sich auf etwa 7.30 Yuan/$ abwerten, damit Peking die Last von neuen US-Zöllen auf die Exporte ausgleichen könne. Doch bisher ist man davon mit einem Kurs von 6.80 Yuan/$ ein gutes Stück entfernt. Zuletzt hat Chinas Notenbank, die People’s Bank of China (PBoC), mit Rhetorik und regulatorischen Massnahmen eine weitere Abwertung aufgehalten.

Von April bis Mitte August wertete sich der Yuan zwar um fast 10% ab. Seitdem hat sich der Kurs aber stabilisiert. Im Moment notiert der Yuan wieder ähnlich hoch wie schon im Juli letzten Jahres.

Am Freitag wurde ein «antizyklischer Faktor» (Countercyclical Factor) in dem Modell der PBoC wieder angewendet, mit dem sie die maximalen Veränderungen des Wechselkurses pro Tag definiert. Der Faktor begrenzt die zugelassene Änderungsrate zusätzlich.

Marktteilnehmer interpretierten dies so, dass Peking eine zu grosse Abwertung des Yuans verhindern wolle, nachdem die Verhandlungen zwischen den USA und China bisher keine Einigung hervorgerbacht haben. Der Yuan reagierte darauf mit einer Aufwertung von ungefähr 1%.

Doch die neueste Massnahme ist nur die letzte in einer Reihe von Aktionen, um die Währung zu stabilisieren. Im August wurden Reserveanforderungen für Forward-Transaktionen im Devisenhandel wieder eingeführt. Dem Markt für den Yuanhandel wurde Liquidität entzogen. Das macht es schwieriger für Finanzmarktakteure, auf eine schwächere chinesische Währung zu wetten.

Es gibt Argumente dafür, dass die PBoC eine zu grosse Abwertung verhindern will. Magnus selbst sieht die Nachteile: «Washington würde dies als eine schwerwiegende Eskalation betrachten.» Es würde andere asiatische Währungen und die weltweiten Finanzmärkte durcheinanderbringen.

Erinnerung an den Schock von 2015

Einen Vorgeschmack brachte im August 2015 die überraschende und sprunghafte Abwertung des Yuans von 2% an einem Tag. Damals sorgten sich die Märkte, dass dies eine Abwertungsspirale in Gang setzen könnte. Die PBoC erklärte zwar damals, nur den Marktkräften mehr Raum zuzulassen – doch musste sie wegen der weltweiten Schockwellen zurückkrebsen.

Kein Wunder betont die PBoC auch jetzt, dass man die Währung nicht als Waffe im Handelskrieg einsetzen werde. Der geldpolitische Sprecher der PBoC erklärte vergangene Woche: «Der Wechselkurs ist hauptsächlich von Angebot und Nachfrage im Markt bestimmt.» Man werde den Marktkräften einen grösseren Einfluss zumessen und Abwertungen nicht zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit einsetzen.

2015 sorgte die Abwertungsangst für Kapitalflucht – das setzte die Währung weiter unter Druck, Peking musste die Devisenreserven zur Stabilisierung der Währung verwenden. Um weiteren Abwertungsdruck zu verhindern, gelten seitdem strengere Kapitalkontrollen. Die Devisenreserven sind seitdem stabil und bleiben über der Marke von 3000 Mrd. $.

Risiken einer Abwertung weiterhin bewusst

Amy Yuan Zhuang, Analystin bei der Bank Nordea, glaubt, dass die Sorge um eine unkontrollierbare Kapitalflucht die chinesische Zentralbank von einer weiteren Abwertung abhalten wird. «Die Risiken übersteigen die Vorteile», zeigt sie sich in einem Kommentar überzeugt. Die bisherige Abwertung sei nicht politisch gewollt – sondern eine Folge des Handelsstreits für die Devisenmärkte. Dort sieht man die höheren Zölle mehr auf der chinesischen als auf der amerikanischen Volkswirtschaft lasten.

Die hohe Verschuldung mache die chinesische Wirtschaft besonders anfällig für eine Kapitalflucht – sie würde die Stabilität des Finanzsystems bedrohen. Ausserdem würde eine Abwertung das Vertrauen in den Yuan erschüttern und damit den angestrebten Bedeutungsgewinn der chinesischen Währung untergraben.

Die Investmentbank Natixis sieht die PBoC sich gegen eine Abwertung stemmen. Das würde der Notenbank dank der hohen Devisenreserven auch gelingen. Zusätzlich würden nun angeschobene Stimulusmassnahmen der Regierung die chinesische Wirtschaft stabilisieren. Das würde Abwertungsdruck von der Währung nehmen.

Szenario kontrollierte Abwertung

Brad Setser, Finanzexperte bei der Denkfabrik Council on Foreign Relations, ist der Meinung, dass sich die chinesische Notenbank trotz der Risiken für eine «kontrollierte Abwertung» entscheiden werde. Eine Freigabe des Wechselkurses würde man wegen der fehlenden politischen Kontrolle in China ablehnen: «Das Risiko eines freien Kurses wäre, dass man es als Signal interpretieren würde, dass die chinesische Führung die Fähigkeit verloren hat, die komplizierte Finanzsituation in China im Griff zu halten.»

Man ist besser vorbereitet als noch 2015, um die Abwertung umzusetzen. So seien einige Kanäle für Kapitalabflüsse geschlossen worden, und die Auslandverschuldung sei abgebaut worden – trotzdem könnte es notwendig werden, mit dem Einsatz von Kapitalreserven eine unkontrollierte Abwertung zu verhindern, falls sich die Erwartung einer weiteren Abwertung im Markt festsetzt.

Setser glaubt: «Wenn irgendjemand eine kontrollierte Abwertung schafft, dann ist es China.» Neben den offiziellen Reserven von 3100 Mrd. $ würden staatliche Banken und die Investmentgesellschaft CIC über 770 Mrd. $ an ausländischen Anlagen verfügen, um die Währung zu stützen.

Setser schliesst: «Ich glaube immer stärker, dass China testen wird, wie stark man die Währung frei bewegen lassen kann – ohne eine breite Reaktion aus der Politik und dem Markt auszulösen.»

Für Charles Dumas, Ökonom beim Research-Haus TS Lombard, wäre eine Eskalation des Handels- zum Währungskrieg ein «wahrscheinliches Szenario». Die USA könnten gegen China dann weiter mit Zöllen eskalieren – würden den Dollar damit aber nur noch weiter aufwerten lassen. Anleger müssten sich auf Turbulenzen einstellen: Ein stärker Dollar würde Aktien und wohl auch Anleihen belasten.

Leser-Kommentare