Unternehmen / Gesundheit

Galenica wächst beständig

Analyse | Die Medikamentenspezialistin beweist Anpassungsfähigkeit. Die Mittelfristpläne bauen auf Bewährtes.

Galenica (GALE 62.65 +0.8%) wächst seit Ausbruch der Pandemie mehr als gewöhnlich. Eine Coronagewinnerin ist die Nummer eins der Medikamentenlogistik und Apothekenbetreiberin gleichwohl nicht.

Vor allem Dienstleistungen für die Lagerung und die Verteilung von Arzneien sind gefragt. Im Frühling mussten zeitweise 60% höhere Volumen verarbeitet werden. Der Umsatz in diesem Bereich stieg im vergangenen Jahr weit stärker als derjenige im Retailgeschäft. Das hat Folgen für die Konzernmarge, weil Logistik auf Stufe Betriebsgewinn Ebit deutlich weniger rentiert. Zum ersten Mal seit zehn Jahren ist die Profitabilität gesunken.

Im Retailgeschäft kostete Corona Umsatz und nach Schätzung der Konzernleitung 8 bis 10 Mio. Fr. Ebit. Einbussen gab es in grossen, stark frequentierten Apotheken und auf margenträchtigen Eigenprodukten. Zudem kauften die Kunden weniger Grippe- und Erkältungsmittel als gewohnt (–30%). Auch ohne die unüblich zahlreiche Übernahme von siebzehn Apotheken büsste Galenica Marktanteile ein. Nach der Schliessung von sieben Standorten dehnte sich das Netz eigener und Partnerapotheken auf 522 aus.

Trotz freiem Cashflow von gut 60 Mio. Fr., einer soliden Bilanz und Aussichten auf eine Normalisierung der Marktlage lässt das Unternehmen die Dividende unverändert. «Finanz und Wirtschaft» hatte mit einer leichten Erhöhung gerechnet.

Erste Monate «sehr schwierig»

Der Ausblick klingt ähnlich wie der von Roche (ROG 367.55 +1.46%) und Novartis (NOVN 74.63 +1.44%). Die ersten zwei Monate bezeichnete Finanzchef Felix Burkhard als «sehr schwierig». Das Umfeld werde sich aber im zweiten Quartal und vor allem ab Jahresmitte deutlich bessern bzw. normalisieren. So rechnet Galenica für 2021 trotz erneuter behördlicher Preissenkungsrunde mit einem 1 bis 3% höheren Umsatz und einem 2 bis 5% höheren Ebit. Die Dividende soll erneut mindestens auf Vorjahreshöhe angesetzt werden.

Der im vergangenen April angetretene CEO Marc Werner, der Galenica bislang nur zu Pandemiezeiten erlebt hat, hat zum ersten Mal Mittelfristziele ausarbeiten lassen. Zu rechnen ist mit einem moderaten, aber steten Wachstum des Schweizer Medikamentenmarktes von 1 bis 2% pro Jahr.

Galenica übertrifft diesen Wert erfahrungsgemäss 1 bis 2 Prozentpunkte, dank Ausbau des Apothekennetzes und des Produktsortiments sowie der Übernahme kleinerer Unternehmen. Die robuste Bilanz und der Plan, den Verschuldungsgrad zu erhöhen, lassen genügend finanziellen Spielraum.

Dividende wird wieder steigen

Ambitionen hegt das Management auch in Bezug auf die Profitabilität. Neu ist Galenica in die zwei Segmente Products & Care und Logistics & IT gegliedert. Im patientenbezogenen Geschäft soll die Ebit-Marge von 7,4 auf mehr als 8% steigen. In der Logistik, zu der auch digitale Angebote zählen, lautet die Vorgabe, die Spanne von 1,7 auf 2% zu erhöhen. Die Dividende dürfte parallel nach oben mitziehen.

Das sind grundsolide Pläne. Die Galenica-Aktien bieten sich als Stabilitätsanker mit rund 3% Dividendenrendite an. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 20 für 2021 liefert die Bewertung kein Argument, sie zu meiden. Wer spektakuläres Wachstum mit klar höherem Risiko sucht, mag Zur Rose (ROSE 321.00 -3.75%) bevorzugen.

Die komplette Historie zu Galencia finden Sie hier.»