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GAM bleibt vorerst nichts als sparen

Der gebeutelte Asset-Manager wird weitere Einschnitte folgen lassen müssen. Ein weisser Ritter ist nicht in Sicht.

Jeffrey Hochegger und Valentin Ade

Die Entwicklung des Aktienkurses von GAM (GAM 2.93 0.76%) spricht eine klare Sprache: Es steht schlecht um den Asset-Manager. Die Valoren handeln um ihren Tiefpunkt. Rund 30% haben sie dieses Jahr bereits an Wert eingebüsst, in nicht einmal zwei Jahren haben sie sich mehr als 80% verbilligt. Das ehemalige Milliardenunternehmen ist heute noch rund 420 Mio. Fr. wert. Kaufenswert sind die Titel deshalb dennoch nicht.

Ursache für den Kurseinbruch sind massive Abflüsse bei den Kundengeldern, nachdem Fondsmanager Tim Haywood gegen interne Richtlinien verstossen hatte und vergangenen Sommer die Gesellschaft verlassen musste. Die von ihm verantworteten Fonds wurden daraufhin in die Liquidation geschickt. Ins Schleudern geriet GAM, weil auch andere Kunden ihre Gelder abgezogen haben.

Ertrag unter Druck

Ende des dritten Quartals verwaltete GAM im margenstarken Bereich Investment Management noch 51,1 Mrd. Fr. Ende 2017 waren es noch 84,4 Mrd. Fr. gewesen.  Ein Verlust von fast 40%. Der Abfluss scheint vorerst gestoppt, doch GAM schafft es bis heute nicht, im Investment Management Neugeld anzuziehen. Das Vertrauen des Marktes in das Unternehmen scheint immer noch beschädigt. Und die niedrigere Vermögensbasis reduziert zuvorderst den künftigen Ertrag.

So bleibt der Gesellschaft nichts anderes übrig, als Kosten aus dem Betrieb zu nehmen. Sie soll nun vor einer massiven Restrukturierung stehen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag berichtet hat. Bis 40% der Belegschaft oder 350 Stellen könnten den Sparmassnahmen zum Opfer fallen. GAM äussert sich auf Nachfrage von «Finanz und Wirtschaft» nicht zu allfälligen Plänen. Die Bloomberg-Meldung wird aber auch nicht als Unfug dementiert.

Dass die Kosten aufgrund des niedrigeren Ertrags zu reduzieren sind, liegt auf der Hand. Wobei sich GAM bereits mitten in einer Restrukturierung befindet. Um 40 Mio. Fr. soll der Aufwand bis Ende 2019 verringert werden. Das Unternehmen macht diesbezüglich gute Fortschritte. Ein Drittel der angepeilten Kostensenkungen wurde im ersten Halbjahr des laufenden Jahres bereits realisiert. Die Zahl der Vollzeitangestellten ist 8% gesunken, von 925 auf 863. Ist diese Sparübung Ende Jahr beendet, beträgt das Verhältnis von Kosten zu Ertrag aber immer noch ungesund hohe rund 80%.

Dass der Gürtel noch enger geschnallt werden muss, deutete das Unternehmen bereits mit der Bekanntgabe des Halbjahresergebnisses an, als es weitere Einsparungen für 2020/21 in Aussicht stellte. Wann sie kommuniziert werden, ist ungewiss. Tatsache ist, dass der neue CEO, Peter Sanderson, die Leitung Anfang September übernommen hat und von ihm etwas erwartet wird. Mit dem Jahresergebnis für 2019 könnte der ehemalige BlackRock-Mann weitere Ansagen machen.

Keiner will zuschlagen

Für Michael Kunz, Analyst bei der ZKB, drängen sich Wetten auf einen Turnaround zurzeit allerdings nicht auf. Denn auch wenn die Titel unter Druck sind, ein Schnäppchen sind sie nicht, sonst wäre das Unternehmen schon lange übernommen worden. GAM betonte stets, der Verwaltungsrat prüfe Optionen, «um den Wert für Aktionäre und andere Interessengruppen zu maximieren». Das schloss den Verkauf der Gesellschaft nicht aus. Als mögliche Kaufinteressenten machten dieses Jahr der italienische Versicherer Generali (G 18.395 -1.1%), die in Genf ansässige Privatbank Union Bancaire Privée und die französische Investmentbank Natixis die Runde. GAM werde dabei von den US-Investmentbanken JPMorgan und Citigroup (C 79.9 -1.5%) unterstützt. Doch niemand schlug zu.

Vincent Taupin, CEO der Privatbank Edmond de Rothschild, sagte Anfang November in der «Financial Times», dass auch er sich GAM angeschaut habe. Allerdings sei der Preis zu hoch gewesen. Gegenüber FuW äusserte sich zudem der Chef eines bekannten Schweizer Asset-Managers, der ungenannt bleiben will: Der Kauf von GAM, unabhängig vom Preis, sei nicht interessant. Man riskiere damit, sich den Ruf zu ruinieren und vor allem Probleme einzukaufen. Das könne man sich in diesem kompetitiven Umfeld nicht leisten. Wie «Finanz und Wirtschaft» aus GAM heraus hört, sei ein Verkauf nun kaum mehr eine Option.

Auch Privatanleger sollten von den Valoren die Finger lassen. Aufgrund der Unsicherheiten gleicht ihr Risikoprofil demjenigen einer Option, einfach ohne begrenzte Laufzeit. Analyst Kunz schreibt dazu: «Der Patient GAM ist so lange nicht über den Berg, wie er nicht wieder signifikant Neugeld einwerben kann.»

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