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Hot Corner: Ganz anders

Gesco hat sich ein Portfolio von mittelständischen Industrieunternehmen zusammengekauft – und schafft damit nachhaltig Mehrwert.

Andreas Kälin

Mittelständische Industrieunternehmen kaufen und weiterentwickeln: Was sich wie das Geschäftsmodell eines Finanzinvestors anhört, ist im Fall Gesco (Xetra: GSC1, Kurs: 76.75 €; Börsenwert von 255,2 Mio. €) etwas ganz anderes. Im Gegensatz zu Private-Equity-Gesell­schaften hat die deutsche Gruppe «keine Exit-Absicht», sondern ist langfristig orientiert. Sie tätigt ihre Übernahmen meist im Rahmen von Nachfolgeregelungen und will den Geist der gekauften Familienunternehmen bewahren. Diese profitieren wiederum von der Zugehörigkeit zu einer starken Gruppe.

Kurzfristige Kostenoptimierung ist nicht die Sache von Gesco: 2013 waren viele der siebzehn operativen Töchter aus dem Werkzeug- und Maschinenbau sowie der Kunststofftechnik von einer Nachfrageschwäche betroffen – trotzdem haben sie nicht nennenswert Personal abgebaut. Qualifizierte Mitarbeiter zu finden, zu halten und weiterzuentwickeln, ist für Gesco «bereits heute eine entscheidende strategische Aufgabe».

Das 1989 gegründete und seit 1998 kotierte Beteiligungsunternehmen scheint auch nicht überhöhte Kaufpreise zu zahlen. Ende 2013 betrug der Goodwill nur 12,4 Mio. € oder 7,2% des Eigenkapitals. Dass die Gesco-Truppe hervorragende Arbeit leistet, beweist die Entwicklung des Aktienkurses: In zehn Jahren ist er gut 360% gestiegen.

Seit dem Höchst im letztjährigen Februar erleben die Titel aber einen Durchhänger. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2013/14, das Ende März schliesst, stieg der Gruppenumsatz nur 0,7%. Der Gewinn sank 20%, auch wegen Sondereffekten wie höheren Aufwendungen für die Prüfung von Kaufobjekten. Wie die Führung verkündete, dürfte die Dividende von zuvor 2.50 € je Aktie gekürzt werden. Der Markt rechnet, dass Gesco für die noch laufende Periode 2.15 € zahlt (Rendite: 2,8%).

Es gibt aber Grund zur Zuversicht: Bei Gesco hat man mit der jüngsten Nachfragebelebung den Eindruck, dass sich die teils starke Investitionszurückhaltung der Kunden gelockert hat; aus China kamen positive Signale. Für 2013/14 rechnet die Gruppe bei 450 Mio. € Umsatz mit einem Gewinn leicht unter 18 Mio. €. In der nächsten Periode müssten es mehr werden, auch weil Sondereffekte wegfallen und sich strategische Investitionen auszahlen werden.

Zuletzt erwarb Gesco die Eitel Presses, den US-Marktführer für Richtmaschinen mit 10 Mio. € Umsatz. Weitere Übernahmen werden angestrebt. Bis zu drei pro Jahr halte er für möglich, sagte Vorstand Hans-Gert Mayrose jüngst zur «Börsen-Zeitung». Man könne dafür bis zu 50 Mio. € aufbringen. Hilfreich ist, dass die Gruppe mit einer Eigenkapitalquote von 44% sehr solide finanziert ist. Der Kursdurchhänger bietet nun eine gute Einstiegsgelegenheit – zumal die Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2014/15 von 12 nicht teuer sind.

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