Wie wohl diese Speiselokalität in Pompeji einst hiess? Vielleicht «Ad Gallum Aureum», «Zum güldenen Gockel»? Die Archäologen, die unlängst die immer noch rührend putzige Einrichtung freilegten, bestimmen sie als antike Ausgabe eines Schnellimbisses. Rund 80 solche Thermopolia soll die Stadt einst gezählt haben. Dann aber, im Jahre 79 nach Christus, ruinierte die Naturgewalt des Vesuvs Pompeji. Zivilisation, Urbanität – das heisst nicht zuletzt Gastronomie. Ausserhalb der eigenen vier Wände, in Gesellschaft anderer, bekannter wie fremder Menschen zu Tische sitzen, trinken, tafeln, schwatzen, schweigen, schwelgen. Oder aber, wie der feinsinnige Wiener Literat Alfred Polgar es wandte: «Ins Kaffeehaus gehen Leute, die allein sein wollen, aber dazu ­Gesellschaft brauchen.» So oder so, wo das Gastgewerbe fehlt, fühlt man sich unbehaust. Das merken wir dieser zähflüssigen Tage, Wochen, Monate an den seuchenbedingten Entzugserscheinungen. Die Angst, die hiesige Gastroszene werde nach der ersehnten Entwarnung – mit Glück im Herbst? – zu erheblichen Teilen in Trümmern liegen, ist durchaus begründet. Der Gesellschaft würde mehr fehlen als allein das, was aus Küche und Keller kommt.
(Bild: Luigi Spina/Parco Archeologico di Pompei via AP)