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Geben oder nehmen?

Standish, eine BNY Mellon-Gesellschaft

Ist der globale Handel ein Nullsummenspiel oder ergibt es mehr Sinn, sich kooperativ zu beteiligen? Die Standish-Analysten Rowena Geraghty und Aninda Mitra betrachten die Auswirkungen der jüngsten von Trump ausgelösten Handelskriege.

Leben wir in einer von hartem Wettbewerb geprägten Welt, in der jeder Einzelne dogmatisch seine eigenen Interessen zulasten von anderen verfolgt – oder versuchen wir in der Hoffnung, einen allgemeinen Nutzen zu schaffen, zusammenzuarbeiten?

Über drei Jahrzehnte lang war die Globalisierung – der grösste Beweis internationaler Kompromissbereitschaft – die vorherrschende Philosophie. Nun, da Politiker rund um den Globus allmählich populistischere Mandate verfolgen, ist es zu einem Stimmungswandel gekommen und scheinen Nationen zunehmend ihre eigenen Interessen an erste Stelle setzen zu wollen.

Lagarde warnt

Im Rahmen einer Rede an der Universität Hongkong im April betonte die geschäftsführende Direktorin des IWF Christine Lagarde die Risiken eines solchen Ansatzes. Sie hob hervor, wie der multilaterale Handel «unsere Welt in der letzten Generation verändert hat», merkte aber an, dass dieses System aus Regeln und gemeinsamen Verantwortlichkeiten «mittlerweile Gefahr laufe, auseinanderzubrechen». Sie fügte hinzu, dass dies ein «unverzeihlicher, kollektiver politischer Fehler» wäre.

Für die Standish-Analysten Rowena Geraghty (EMEA-Staatsanleihen) ist der Stimmungsumschwung Teil einer umfassenderen Fragmentierung des politischen Spektrums – vor allem in den Industrieländern. «Da die Wähler nicht das Gefühl haben, dass sich ihr Lebensstandard seit der globalen Finanzkrise wieder verbessert hat, fühlen sie sich mehr und mehr zu den Extremen des politischen Spektrums hingezogen», kommentiert sie. «In den Industrieländern sehen sich die Menschen mit den Auswirkungen der Standortverlagerung von Unternehmen ins Ausland, der Aushöhlung etablierter Branchen und – seit Beginn der globalen Finanzkrise – mit sehr mässigem Lohnwachstum konfrontiert. Statt Vertrauen rückt der Selbsterhalt in den Fokus. Dies ist Wasser auf die Mühlen der Populisten, die den Status quo infrage stellen.»

 Handelsungleichgewicht

In den USA stellen die Handlungen Donald Trumps im Rahmen seiner Präsidentschaft ein Paradebeispiel dar. Kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 2017 wies Trump den US-Handelsbeauftragten an, Urheberrechtsverletzungen durch China zu untersuchen. Dieser kam im März 2018 zu dem Schluss, dass China in der Tat Abschnitt 301 des Trade Act von 1974 verletzt hatte, indem die Technologie ausländischer Unternehmen kopiert oder gar gestohlen wurde. Die Regierung Trump reagierte darauf mit der Einführung von Strafzöllen auf importierte chinesische Güter und beschränkte zudem Chinas Möglichkeiten, in den US-Technologiesektor zu investieren. Chinas Reaktion fiel ähnlich heftig aus. Das Land kündigte Vergeltungsmassnahmen in  Form höherer Einfuhrzölle für eine Reihe amerikanischer Importwaren an, darunter Sojabohnen, Kleinflugzeuge, Whiskey, Elektrofahrzeuge und Orangensaft.

Rückzug des Unilateralsimus

Nach Auffassung der Standish-Analystin Aninda Mitra kann Trumps Handelsoffensive als Teil einer breiteren Entwicklung interpretiert werden, in deren Rahmen sich die USA von multilateraler Entscheidungsfindung zugunsten eines alleingängerischen Unilateralismus abwenden. «Erste Anzeichen waren», so Mitra, bereits in den Anfangstagen von Trumps Präsidentschaft zu beobachten, als die USA von der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) zurücktraten. Derselbe Ansatz konnte in der Folge auch bei Themen wie dem Klimawandel oder der Besetzung freier Stellen bei der WHO beobachtet werden. Zwar ist es vielleicht etwas weit hergeholt, bereits vom Ende der Führungsrolle der USA seit der Nachkriegszeit zu sprechen. «Diese Entwicklung bedeutet aber zumindest eine Erosion der alten Positionen.»

Die Geschichte wiederholt sich

Das alles hat eine gewisse Ironie. Im April 1981 – auf dem Höhepunkt der US-Paranoia in Bezug auf das Handelsdefizit gegenüber dem bedeutenden Fertigungsstandort Japan – ergriff die Regierung Reagan Massnahmen zur Begrenzung der Importe japanischer Autos. Die Logik dahinter war simpel: Indem die US-Automobilindustrie vor ihrem effizienteren asiatischen Mitbewerber geschützt würde, hätten US-Automobilhersteller die Möglichkeit, ihre Arbeitsmethoden zu modernisieren und in puncto Kosten allmählich an die Japaner heranzukommen.

Doch nichts dergleichen geschah. Die heimischen Hersteller nutzten die Gelegenheit lediglich, um ihre Preise zu erhöhen, ohne dabei befürchten zu müssen, Kunden an günstigere Konkurrenten zu verlieren. Laut einer Analyse des The Heritage Institute1 verursachten diese handelspolitischen Massnahmen für die amerikanischen Konsumenten letzten Endes zusätzliche Kosten in Höhe von 5 Mrd. US-Dollar jährlich, während die japanischen Automobilhersteller trotz allem Anteile am US-Markt gewannen.

Das «Gesetz der unbeabsichtigten Folgen kommt», so wie Rowena Geraghty abschliessend, «somit auch in der Geschichte des Protektionismus zum Ausdruck: Selbst die wohlmeinendsten Massnahmen können sich als kontraproduktiv erweisen.»

1The Heritage Institute: «The Costly Truth About Auto Import Quotas», 2. Januar 1985; The Financial Times: «Donald Trump picks the wrong trade fight», 3. Juni 2018

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