Meinungen

Gebrochene Versprechen

Die Klage gegen Barclays ist Teil einer Justizkampagne. Wer Dark Pools betreibt, wie UBS und Credit Suisse, ist potenziell gefährdet. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Die Reaktion am Markt gegen UBS und Credit Suisse ist verständlich.»

Die Angst geht um. Bei Barclays nimmt das Kursminus von 6% einen Schaden von etwa 3,5 Mrd. Fr. vorweg. Bei Credit Suisse (CSGN 6.52 +0.18%) und UBS (UBSG 17.03 -1.16%) kostete die neue Nervosität am Donnerstag jeweils über 1,5 Mrd. Fr. an Börsenkapitalisierung. Die letzten Verlautbarungen über Strafzahlungen haben Anleger noch nicht verdaut, da rollt schon das nächste Verfahren an.

Der Generalstaatsanwalt von New York will «viel» an Schadenersatzzahlungen von Barclays (BARCl 1.51 +0.80%) einfordern. Und weil es um Dark Pools – ausserbörsliche Handelsplätze für meist institutionelle Anleger – geht, sind nun auch Credit Suisse und UBS unter Druck. Sie betreiben neben der britischen Bank die grössten alternativen Handelsplätze in den USA.

Dabei ist noch völlig unklar, ob die Schweizer Grossbanken beim Thema Dark Pools auch ins Visier der Justiz geraten werden. Und wie viel das kosten könnte. Für den Markt reicht, dass es die Möglichkeit gibt – und die drakonischen Strafzahlungen der Vergangenheit machen jede Untersuchung in den USA zum Damoklesschwert.

Barclays wird verklagt, weil sie bewusst Versprechen gegen Kunden gebrochen haben soll. Dark Pools sollten Marktakteure vor Hochfrequenzhändlern schützen. Für das Gericht ist entscheidend, ob man Kunden in täuschender Absicht Sicherheit vorgegaukelt hatte – weder Dark Pools noch Flash Traders sind illegal. Was für Credit Suisse bedenklich stimmt: Wie bei Barclays wurde die Sicherheit des eigenen Dark Pool betont. Anfang Juni berichtete das «Wall Street Journal», dass Credit Suisse dem Regulierer gemeldet habe, Kunden vor einem Ausnutzen durch Hochfrequenzhändler zu schützen.

Genau das hatte Barclays auch behauptet – nun steht die Frage im Raum,  wie gut Credit Suisse das Versprechen tatsächlich umgesetzt hat. Skeptisch macht, dass Hochfrequenzhändler überhaupt auf die Plattform von Credit Suisse kamen – und wahrscheinlich dafür bezahlten –, wenn sie dort keinen Vorteil erlangen konnten.

Die Reaktion am Markt gegen UBS und Credit Suisse wird sich vielleicht als überzogen herausstellen. Aber sie ist verständlich. Das Misstrauen gegen die Grossbanken wächst – wo immer die Justiz hinschaut, scheint es etwas aufzudecken zu geben. Der an seinem politischen Profil arbeitende New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman hat eine Kampagne «Insider Trading 2.0» am Laufen.

Unter den «neuen Insider Traders»  versteht Schneiderman besonders die Hochfrequenzhändler – ein Bereich, den Regulierer wie die Marktaufsicht SEC lange mit wohlwollender Zurückhaltung beobachtet hatten. Barclays wird dank zur Aussage bereiter Ex-Mitarbeiter nur das erste Opfer dieser neuen Kampagne sein. Die Schweizer als Betreiber der grössten Dark Pools könnten folgen.