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Benedikt Germanier: Geerdet und zäh

Er war Währungsspezialist bei UBS, Feldenkrais-Skilehrer und Allroundsportler. Nun setzt Benedikt Germanier seine multiplen Fähigkeiten für den Luxus-Ski-Hersteller Zai ein.

Zai heisst die Luxus-Ski-Marke aus Disentis. Zai steht aber auch für ihren CEO Benedikt Germanier. Aus dem Rätoromanischen übersetzt bedeutet das «zäh». Der muskulöse Germanier leitet seit sechs Jahren die Edel-Ski-Marke und ist ständig unterwegs. Ein wahrer Turbo: Er tingelt von Kunden zu Investoren. Er führt für Manager Zai-Erlebnistage durch. Er weibelt für Zai-Golfschläger oder Skibekleidung. Manchmal legt er auch selbst Hand an in der Manufaktur in Disentis. Der 1966 Geborene wohnt mit Frau und vier Kindern in Zürich, hat aber auch ein Zuhause im bündnerischen Cavaglia.

Gegründet wurde Zai 2003 vom Tüftler Simon Jacomet, der immer noch als kreativer Kopf dahintersteckt. Er hat zum Beispiel den Spada-Ski entwickelt: Der Kern besteht aus Andeerer Granit, der von einem Mantel aus Carbonfaser umgeben ist. Jacomet konzentriert sich lieber auf das Kreative als auf das Geschäftliche. Dafür wurde Germanier vor sechs Jahren als CEO angestellt. Doch das Unternehmen schreibt immer noch Rot. «Vergangenes Jahr haben wir im Skibereich fast den Break-even erreicht», frohlockt Germanier. «Es braucht eben Zeit, um einen solchen Nischen- und Luxusbrand aufzubauen.» Er und Jacomet sind am Unternehmen beteiligt.

Zu den Hauptinvestoren, die zusammen rund 90% besitzen, gehört ein illustres Quartett: Walter Bosch, ehemaliger VR-Vizepräsident der Swiss, Ex-KPT-VR und früher einmal Chefredaktor des «Blick», Thomas Staubli, Mitgründer der Partners Group (PGHN 855.6 0.14%), Patrik Lütjens und Ricardo Cordero, Ex-CEO der BZ Bank. Sie sorgen für das Überleben der Skimanufaktur. Insgesamt 11 Mio. Fr. haben sie laut Germanier bereits investiert.

Heute beschäftigt Zai zwölf Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von 3 Mio. Fr. Das Unternehmen verkauft neben Ski und Skibekleidung auch Golfschläger. Zudem werden Event-Tage angeboten. Die Produktion beläuft sich jährlich auf 1000 Paar Ski. Zum Vergleich: Stöckli stellt 52000 Paar pro Jahr her.

Nur eine betuchte, auserlesene Kundschaft leistet sich den teuren Edel-Ski. Zum Beispiel Multitalent Dieter Meier, Filmschauspieler Antonio Banderas oder Roche-VR-Präsident Christoph Franz. Die Ski inklusive Bindung, Stöcke, Tasche und Versicherung kosten zwischen 3300 und 9800 Fr. Es soll auch Kunden geben, die sich das Luxusobjekt als Kunst an die Wand nageln. «Sehr zufrieden» mit seinem Zai ist auch Investor Beat Curti, der den Edel-Ski geschenkt erhalten hat.

40% der Edel-Ski werden in der Schweiz verkauft, 60% im Ausland, vor allem in Österreich, Deutschland, Frankreich und den USA, die laut Germanier sehr stark (20%) wachsen.

Der in Brugg und Aarau aufgewachsene Germanier hat sich zuerst dem Sport verschrieben. Mit dem Sportfieber hat ihn sein älterer Bruder angesteckt. Schon als kleiner Bub ist er mit ihm auf die Loipe gegangen. Später hat er an der ETH Sport studiert, war Tennislehrer, Bergführer  und Skilehrer mit Bündner Patent. Dabei hat er den Zai-Gründer Jacomet kennengelernt. Germanier führte auch therapeutische Skikurse auf Basis der Feldenkrais-Lehre durch.

Bevor er beim Start-up Zai eingestiegen ist, studierte er an der Universität Zürich Wirtschaft, arbeitete zuerst für die CS, später für die UBS (UBSG 11.26 0.13%). Dabei folgten sich Stationen in Zürich, London und schliesslich New York. In den USA leitete er für die UBS das Researchteam für  Währung und Zinsen.

Doch bald einmal hatte er genug: «Alles drehte sich nur um Geld und Status. Das ging mir auf den Geist.» Seine Frau unterstützte ihn, die UBS-Karriere an den Nagel zu hängen und mit den vier Kindern in die Schweiz zurückzukehren – auch wenn die Stelle bei Zai mit weniger Einkommen verbunden war. «Ich musste mich erden, wollte etwas Handfestes, etwas Unternehmerisches anpacken.» Er tauschte den Anzug als Banker bei der UBS gegen das saloppe T-Shirt oder den Skianzug ein. Nun hat er ein Ziel vor Augen: «Ich will mit den besten Ski der Welt den Erfolg schaffen.»