Wer derzeit eine Wohnung sucht, hat gute Aussichten, fündig zu werden – es sei denn, er suche ausgerechnet in Zürich oder Genf. Gesamtschweizerisch ist der Leerwohnungs­bestand so hoch wie schon lange nicht mehr. Am 1. Juni standen total 78 832 Wohnungen leer. Gemessen am Gesamtwohnungsbestand resultiert eine Leerwohnungsziffer von 1,72%. Damit hat sich der seit zehn Jahren andauernde Aufwärtstrend bestätigt. Diese Grösse wurde letztmals überschritten in den Jahren 1997/98, als Werte von je über 1,8% erreicht wurden. Regional ergeben sich grosse Unterschiede. Der geringste Wert ist in der Region Zürich mit 0,91% zu verzeichnen. Noch weniger leerstehende Wohnungen gibt es im Kanton Genf mit 0,5%. Die höchsten Werte sind im Tessin und in der Region Espace Mittelland zu verzeichnen. Der ­Anstieg der Leerwohnungsziffer ist auf die extrem niedrigen Zinsen sowie auf die rückläufige Zuwanderung zurückzuführen. Was für Wohnungssuchende und Mieter erfreulich sein mag, birgt gesamtwirtschaftlichen Sprengstoff: Es droht eine Blase, deren Platzen schwerwiegende Folgen haben kann. Es bestehen immerhin Anzeichen dafür, dass es nicht so weit kommen sollte: Im ersten Halbjahr ist der Wohnungsbau, auch coronabedingt, deutlich geschrumpft. Die Wohnbau­tätigkeit ist 19% gesunken und der Auftragseingang 4,6%. Die Situation scheint sich zu entspannen.