Meinungen

Gefährliche Jagd nach Rendite

Die Tiefzinspolitik der Notenbanken drängt Anleger in riskantere Märkte. Doch die scheinbare Alternativlosigkeit ist ein schlechter Ratgeber. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Rohner.

«Es werden Preise gezahlt, die nicht das Risiko spiegeln, sondern nur zustande kommen, weil es an Alternativen fehlt.»

Die Auswirkungen der unorthodoxen Geldpolitik sind grotesk: Nicht nur die Schweiz ist vom Negativzins-Virus befallen, auch die meisten europäischen Länder und Japan sind in der Zinswelt unter der Nulllinie angekommen. Unterdessen weisen Anleihen im Wert von über 13 Bio. $ negative Verfallsrenditen auf. Das sind 13 Billionen, auf denen die Investoren mit Sicherheit Jahr für Jahr Geld verlieren, wenn sie es nicht schaffen, die Papiere später noch teurer weiterzuverkaufen. Staatsanleihen der Industrieländer werfen im Durchschnitt noch ein halbes Prozent Rendite ab.

Man kann es daher den Anlegern nicht übel nehmen, dass sie nach Alternativen suchen. Sie finden sie derzeit in den Emerging Markets. Da in den letzten Jahren niemand mehr etwas von diesen neuen Märkten wissen wollte, waren dort die Anleihenzinsen deutlich gestiegen. Jetzt, da sich die rohstoffabhängige Region dank der chinesischen Stimulierungspolitik zu stabilisieren beginnt, sind die Bonds aus Brasilien, Russland oder Südafrika die ersten, die auf der Suche nach Rendite in den Fokus rücken. Vor allem, wenn sie in harter Währung emittiert wurden. Die Kurse steigen, die Renditen fallen.

Die niedrigeren Zinsen können den Schwellenländern helfen, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen, weil so dadurch die Finanzierungskosten sinken. Das ist der günstige Effekt. Die Kehrseite der verzweifelten Jagd nach Rendite ist, dass Risiken ausgeblendet werden. Es werden Preise für Wertpapiere gezahlt, die nicht das Ausfallrisiko spiegeln, sondern nur zustande kommen, weil es an Alternativen fehlt. Das Argument der Alternativlosigkeit ist ein schlechter Ratgeber. Doch im Zeitalter der Negativzinsen ist es überall zu hören, nicht nur im Zusammenhang mit Schwellenländerbonds.

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