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Gegen hohe Tradingkosten

Ein Finanz-Start-up will den Gratis-Aktienhandel in die Schweiz bringen.

Wer gerne mit Aktien handelt, könnte schon bald in den Genuss von gebührenfreiem Trading kommen. Gleich mehrere europäische Start-ups aus der Finanztechnologie (Fintech) haben hohen Kosten im Aktien-Trading den Kampf angesagt.

Am weitesten fortgeschritten ist die britische Smartphone-Bank Revolut, die noch dieses Jahr ein entsprechendes Angebot lancieren will. Dieses steht auch Schweizer Kunden zur Verfügung, wie ­Revolut auf Anfrage bestätigt. Vorerst wird die Titelauswahl allerdings auf amerikanische und britische Wertschriften – Aktien, ETF und Optionen – beschränkt.

Vorbild von Revolut & Co. ist die amerikanische Trading-App Robinhood. Sie ­bietet in den USA seit fünf Jahren den ­Gratis-Handel mit Aktien an und zählt heute über 4 Mio. Kunden vorwiegend aus der Millenials-Generation.

Gesamtpaket entscheidend

Ausländische Günstiganbieter haben hierzulande aber keinen einfachen Stand. «Schweizer, die häufig traden, bleiben bei ihren Profi-Plattformen. Wer seltener handelt, wird sich gut überlegen, ob er für eine Ersparnis von 50 oder 100 Fr. wirklich zu einem ausländischen Anbieter wechseln will, der nicht von der Finma reguliert wird», sagt Benjamin Manz vom Finanz-Vergleichsportal Moneyland.ch.

Marc Bürki, CEO des Marktleaders Swissquote (SQN 68.3 -0.44%), bleibt ebenfalls gelassen. «Schweizer schauen nicht allein auf den Preis, sondern auf das Gesamtpaket», sagt Bürki gegenüber FuW.  Angebote von solchen App-Anbietern seien zwingendermassen limitiert.

Vor eineinhalb Jahren ist der niederländische Online-Trading-Anbieter Degiro in die Schweiz gekommen, um mit seinen Billigstkonditionen den Markt aufzumischen (vgl. Tabelle). Gegenüber den teuersten Anbietern wie UBS (UBSG 15.34 -0.78%) zahlen Aktienkäufer bis zu 90% weniger Gebühren.  Wie Revolut verfügt Degiro über keine Schweizer Bankenlizenz.

Der niederländische Anbieter stellte ebenfalls fest, dass Schweizer Kunden nicht allein über tiefe Kosten zu gewinnen sind. Ein Sprecher sagt auf Anfrage, dass Degiro soweit zufrieden sei. Er lässt aber durchblicken, dass eine bessere Entwicklung erwartet wurde. «Die Schweiz ist der erste Markt, in dem die Mitbewerber ihre Gebühren nach unserem Start nicht gesenkt haben», so der Sprecher.

Der Druck der Günstigangebote hat dennoch dazu geführt, dass das Gebührenniveau in der Schweiz in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen ist. Das liegt unter anderem auch daran, dass verschiedene Banken Günstigangebote für Aktienanleger lanciert haben – etwa die Postfinance mit ihrem E-Trading oder die Cornèr Bank mit ihrer Online-Plattform.

Tipps für Depotwechsel

Verbesserungspotenzial gibt es allerdings nach wie vor beim Gebührenmodell im Aktienhandel. «Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb diese volumenabhängig abgerechnet werden. Trades von Privatkunden müssten mit einer Pauschale abgewickelt werden», sagt Christof Strässle vom Luzerner Vermögensberatungsunternehmen Strässle und Partner. Auch er sieht in seiner Tätigkeit als unabhängiger Vermögensberater grundsätzlich wenig Wechselbereitschaft bei Schweizer Bankkunden. «Wer bei seiner Hausbank bereits mehrere Angebote nutzt, wird eher versuchen, mit ihr einen besseren Deal auszuhandeln, als punktuell einen günstigeren Anbieter zu suchen», so Strässle.

Dazu kommt, dass im Wertschriftenbereich ein Wechsel teuer zu stehen kommen kann. «Viele Banken verlangen eine Transfergebühr pro Titel», sagt Manz vom Vergleichsdienst Moneyland.ch. Gerade wer in seinem Depot viele Positionen führe, fahre meist günstiger, entweder die Titel beim alten Anbieter zu verkaufen und beim neuen wieder zu erwerben –oder temporär zwei verschiedene Depots zu führen.

 

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