Meinungen

Gekommen, um zu bleiben?

Wenn die Zinsen nicht wieder drehen, müssen sich Anleger auf bescheidenere Portfoliorenditen einstellen. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylvia Walter.

«Der goldene Sommer mit neuen Allzeithochs der Aktienindizes bei gleichzeitig steigenden Anleihenkursen ist vorbei.»

Soll sie nun tatsächlich eingetreten sein, die so oft heraufbeschworene Zinswende? Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Sparer erfreut die Hände reiben, weil sich die Langfristzinsen in der Schweiz der Nulllinie zumindest einmal annähern. Doch die Zinsen steigen zu einem Zeitpunkt, in dem sich der Mix aus Wachstum und Inflation vielerorts verschlechtert.

Manche Experten malen bereits das Stagflationsgespenst an die Wand. Denn die Wachstumsdynamik lässt nach, während die Teuerung vielerorts nochmals steigt. Insofern signalisiert die aktuelle Zinswende keine gestiegene Konjunkturzuversicht. Die Gewinnschätzungen der Analysten werden kontinuierlich nach unten revidiert.

Das sind keine guten Neuigkeiten für die Aktienmärkte. Als würde der Blick in Richtung China nicht schon genug beunruhigen, scheinen nun auch einige Notenbanker gewillt, den Geldhahn früher zuzudrehen. Der goldene Sommer mit neuen Allzeithochs der Aktienindizes bei gleichzeitig steigenden Anleihenkursen ist vorbei. Der Margendruck auf Unternehmen lässt nicht nach und die Fähigkeit, höhere Produktionskosten auf die Konsumenten überwälzen zu können wird die Spreu vom Weizen trennen.

Steigende Realzinsen sind den Aktienkursen ab einem gewissen Niveau abträglich. Welches Niveau das ist, kann natürlich niemand genau benennen. In dieser Phase sollten Anleger das Portfolio eher mit Qualitätsaktien bestücken. Value-Titel zeichnet aus, dass sie günstig bewertet sind und von einer steileren Zinsstrukturkurve profitieren. Zudem sind stete Dividendenzahlungen und eine solide Bilanz klare Pluspunkte für ein Aktienengagement.