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Märkte / Makro

Geld ultralang anlegen ist besser

Obligationen sind überteuert, und an der Aktienbörse wirkt das Potenzial begrenzt. Zusatzrendite winkt in nicht kotierten Investments mit ultralanger Kapitalbindung. Informierte Pensionskassen lassen sich davon nicht abschrecken.

Die Bankiervereinigung fordert die Pensionskassen auf, in grösserem Stil illiquide Investments wie Private Equity, Private Debt und Infrastruktur zu nutzen. «Die Konzentration auf kotierte Obligationen und Aktien wird sich nicht mehr bewähren», sagte ihr Präsident Herbert Scheidt Mitte Februar an einer Medienveranstaltung.

Die geforderten privatmarktlichen Kapitalanlagen sind in Form diversifizierter Fondslösungen erhältlich. Sie binden aber oft das Anlagegeld für zehn oder mehr Jahre fix. Der Bankenverband rechnet jedoch vor, dass nicht kotierte, illiquide Beteiligungsportfolios oder Pools von Firmenkrediten im Mehrjahresschnitt ein bis vier Prozentpunkte mehr abwerfen als Engagements in kotierte Aktien bzw. Unternehmensanleihen.

1- bis 4%-Punkte mehr Jahresrendite

Für dieses zusätzliche Renditepotenzial müssen sich Vorsorgeeinrichtungen in der Verfügbarkeit des Vermögens einschränken. Illiquid investieren ist aber nicht verboten. Die eidgenössische Pensionskassenaufsicht OAK verlangt lediglich, dass eine Kasse mit der gewählten Vermögens- und Fälligkeitsstruktur «den voraussehbaren Bedarf flüssiger Mittel» gewährleistet.

Gemäss Philippe Schlumpf vom Beratungsunternehmen Asalis/Libera müssen Pensionskassen ihre spezifischen Verpflichtungen fristenkongruent durch Vermögensanlagen decken. Voraussetzung für Engagements in illiquiden Investments sei, eine «realistische Quote» für liquide Mittel festzulegen: «Das ist in der ­Regel im Umfang von 2 bis 4% der Gesamtanlagen und einer Schwankungsbreite von 0 bis 10% Anteil.»

In der Gesamtheit betrachtet ist die berufliche Vorsorge der Schweiz zu ultralangfristiger Kapitalanlage ­fähig. Die Sparbeiträge von Arbeitnehmenden und Arbeitgebern bescheren den Pensionskassen jährlich 50 Mrd. Fr. Neugeld. Ihre Zahlungen für laufende Renten und für Kapitalbezüge anstelle von Rente machen hingegen nur 30 bis 35 Mrd. Fr. aus. Der Zufluss liquider Mittel übersteigt also den Abfluss bei Weitem. Pensionskassen mit stetem Neuanlagebedarf haben alle Chancen, illiquide und deshalb einen Mehrertrag versprechende Investments in substanziellem Umfang ins Portfolio zu integrieren.

Das Prädikat «illiquid-renditestark» trifft auf Immobilieninvestments zu. An Verbreitung gewinnen aber auch privatmarktliche Aktien- und Darlehensfonds sowie Hedge Funds. Diese Alternativanlagen sind im Regulativ der Pensionskassen auf 15% des Vermögens limitiert. Die Kassen können sich von der Stiftungsaufsicht Ausnahmen bewilligen lassen. Gemäss dem Beratungsunternehmen Complementa nutzen 80% der Pensionskassen eine oder mehrere Formen alternativer Anlagen. 8% aller Kassen hatten schon 2015 die 15%-Begrenzung überschritten.

Für die Vorsorgeträger bleibt der Knackpunkt einer Teilliquidation. Dazu kommt es, wenn das arbeitgebende Unternehmen eine Abteilung oder Sparte veräussert. In einem solchen Fall ist den gesamthaft übertretenden Mitarbeitenden das Sparguthaben kumuliert der neu zuständigen Pensionskasse zu überweisen.

Transferieren statt Liquidieren

Zulässig sei, anstelle von Barem illiquide Anlagen zu transferieren, sagt Roland Schmid vom Berater Swiss Life Pension Services. Da beide Pensionskassen zustimmen müssen, komme es «selbst vor Übertragung handelbarer Anlagen oft zu langwierigen» Diskussionen.

Gemäss Lydia Studer, Rechtsleiterin der Pensionskassenaufsicht OAK, ist die Sachlage klar: «Es gibt keine Vorschriften, in welcher Form – ob Bargeld oder Anlagen – bei einer Teilliquidation Vermögenswerte zu übertragen sind.» Auf lange Frist anzulegen ist somit machbar. Transferieren statt Liquidieren hat den Vorteil, dass weder Auflösungs- noch Neuanlagekosten entstehen.

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