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Geld wechseln

Geld sparen beim Geldwechseln – wer möchte das nicht. Das kanadische Startup Midpoint macht es Unternehmen und Individuen mit einem webbasierten Marktplatz für Währungen möglich.

Martin Gollmer

Seit die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar den Euromindestkurs aufgehoben hat, hat sich der Franken 14% aufgewertet. Den dadurch entstehenden Preisnachteil im Export in die Eurozone können Schweizer Unternehmen wettmachen, indem sie die Kosten weiter senken.

Dabei zählt jeder Franken. Das gilt  gerade bei Geldwechselgeschäften, bei denen Banken und Brokern eine Gebühr von bis zu 2% auf dem gewechselten Betrag bezahlt werden muss.

Das kanadische Start-up Midpoint (MPT 0.14 0%) (Toronto: MPT, 0.15 kan. $ am Donnerstag, 8,3 Mio. kan. $ Börsenwert) behauptet nun, «im Mittel ein Prozentpunkt günstiger» zu sein, wie CEO John Booth im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» sagt. Dazu hat das Unternehmen einen webbasierten Marktplatz (www.midpoint.com) entwickelt, der Käufer und Verkäufer von Währungen unter Umgehung der üblichen Vermittler direkt zusammenbringt. Wenn jemand Euro in Franken (EURCHF 1.05566 -0.03%) tauschen will, dann sucht die gemäss Booth «weltweit erste Peer to Peer International Currency Matching & Payments Platform» jemanden, der genau das entgegengesetzte Wechselgeschäft machen will.

Das System kann auch Wechselgeschäfte mit drei oder mehr Teilnehmern und Währungen abwickeln. Aktuell sind dreizehn Währungen im Angebot – darunter Dollar, Euro und Franken –, im Endausbau sollen es 39 sein. Als Kurs erhalten die Parteien eines Geldwechsels jeweils den Mittelpunkt – den «Midpoint» – der Interbankenrate des jeweiligen Währungspaars angeboten. Aber auch hier fällt eine Gebühr an. Sie beginnt bei 10 £ für Wechselgeschäfte bis 2000 £ und endet bei 0,3% für Transaktionen von 100 001 £ und mehr.

Midpoint hält selbst keine Währungen – sie bringt nur Käufer und Verkäufer zusammen und löst Zahlungen aus, die dann vom Partner Earthport abgewickelt werden. Diese in London kotierte Gesellschaft betreibt ein internationales Zahlungsnetzwerk.

Der Währungsmarktplatz von Midpoint ist seit der Lancierung im Juli 2013 stetig gewachsen. Zurzeit zählt er über 400 zugelassene Kunden, die im Dezember mehr als 800 Geldwechselgeschäfte mit einem Volumen von rund 30 Mio. $ abgewickelt haben. Weiteres Wachstum ist absehbar, sobald er bekannter wird. Dabei sollen deutsche und spanische Versionen der bisher nur in Englisch verfügbaren Website helfen. Damit wird Midpoint nicht nur für Käufer und Verkäufer von Währungen interessant, sondern auch für Anleger. Im Moment schreibt das Unternehmen noch Verlust, die Gewinnschwelle soll aber bei Fortsetzung des bisherigen Wachstums «in 12 bis 24 Monaten» erreicht sein, wie Booth sagt. Ein Risiko sind Nachahmer, auch wenn die Technologie des Marktplatzes patentgeschützt ist.