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Geldpolitik heizt die Vermögensinflation an

Falls noch Zweifel bestanden: Ökonomen zeigen in einer neuen Studie, dass eine lockere Geldpolitik die Preise von Vermögenswerten nach oben treibt.

Alexander Trentin

Immer mehr Analysten und Ökonomen sind der Ansicht, dass eine lockere Geldpolitik eine Blase bei den Vermögenspreisen auslösen kann – auch wenn sich das Fed und einzelne Ökonomen wie Nobelpreisträger Eugene Fama noch gegen eine solche Meinung wehren. So wird die Technologieaktienblase bis 2000 und auch das Aufblähen der US-Häuserpreise bis zur Subprime-Krise auf die lockere Geldpolitik des Fed zurückgeführt.

Auch die enge Korrelation zwischen den Anleihenkäufen der US-Notenbank und dem S&P 500 (S&P 500 4'464.33 -0.22%) wird als Evidenz gesehen, dass das Fed die Vermögenspreise stark anheizt.

Boom wegen lockerer Geldpolitik

Die Ökonomen Michael Bordo und John Landon-Lane von der Rutgers University haben in einer Studie nun systematisch untersucht, wie eine lockere Geldpolitik auf Aktienkurse, Hauspreise und Rohstoffpreise wirkt. Dafür wurden Boom-Phasen auf diesen Anlageklassen in 18 OECD-Ländern von 1920 bis 2011 genauer unter die Lupe genommen.

Auch wenn man alternative Erklärungen wie eine geringe Inflation und einfach zugängliche Kredite (Easy Credit) in Betracht zog, hat die Geldpolitik neben diesen Faktoren einen signifikanten Einfluss auf die Vermögenspreise. Wachsen die Preise dadurch besonders schnell, ist auch eine folgende «Korrektur» festzustellen: Die Blase platzt.

Lockere Geldpolitik definieren die zwei Ökonomen als einen zu niedrigen Leitzins oder einen übermässigen Anstieg der Geldmenge. Für den optimalen Zins wird die Taylor-Regel angewendet, für die Geldmenge ist es die Regel nach Milton Friedman, wonach die Geldmenge nicht mehr als 3% jährlich wachsen soll.

Robuste Ergebnisse

Gemäss den Autoren der Studie sind ihre Ergebnisse sehr robust. Es kommt also nicht darauf an, in welchem Land und in welcher Anlageklasse sich die Preisblase  aufblähte. Doch sollen die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik wirklich etwas gegen Vermögensblasen unternehmen? Immerhin ist deren Mandat meist nur, die Inflation unter Kontrolle zu halten und – etwa beim Fed – die Arbeitslosigkeit nicht steigen zu lassen. Manche Ökonomen glauben, eine Preisblase im Immobilien- oder Aktienmarkt sollte durch die Finanzregulierung beschränkt werden und nicht durch eine restriktivere Geldpolitik, die der gesamten Wirtschaft schaden würde.

Die Autoren der Studie glauben, dass die Kosten des Platzens einer Blase ein Eingreifen der Notenbank rechtfertigen könnte. Dazu müssten die Zentralbanken einschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie eine kommende Finanzkrise einschränken könnten. Das ist keine einfache Aufgabe.

Leser-Kommentare

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Johannes Igel 29.10.2013 - 17:03

Und was ist mit Japan?