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«Braunes Erbe – Die dunkle Geschichte der reichsten deutschen Unternehmensdynastien»

Dieses Buch sieht aus wie jedes andere über die Nazi-Vergangenheit Deutschlands: rote Schrift auf schwarzem Grund, darunter ein Schwarzweissfoto der Familie Goebbels. Doch die langweilige Aufmachung täuscht über den brisanten Inhalt hinweg. Erzählt wird, wie die Quandts, Flicks, von Fincks, Porsche-Piëchs und Oetkers in den Dreissigerjahren Hitlers Machtübernahme unterstützten und in den Kriegsjahren massiv profitierten, aber nach 1945 ihre Rolle in der Terrorherrschaft der Nazis abgestritten haben.

Besonders brisant: Auch ihre Erben reden die Übeltaten ihrer Grossväter und Väter klein. Sie übernehmen keine Verantwortung für das Leid der Zwangsarbeiter, die in den Fabriken schuften mussten und verschweigen den Umstand, dass ein Teil ihres Milliardenvermögens der Enteignung von Juden geschuldet ist. Auch die nationalsozialistische Haltung ihrer Vorfahren vermögen nur wenige der reichen Erben zu verurteilen.

Der niederländische Investigativjournalist de Jong hat für dieses Buch vier Jahre in Berlin recherchiert. Das Resultat sind sorgfältig geprüfte Fakten und eine verständliche Darlegung der teils verwirrenden personellen, politischen und unternehmerischen Strukturen der porträtierten Familien. Eine weitere wichtige Leistung de Jongs ist, dass er mit seinem Buch, das im April auf Englisch erschien, die schandhafte Geschichte von Weltmarken wie Porsche, Volkswagen, BMW, Varta, Henkell und Dr. Oetker einem breiten Publikum zugänglich macht. Denn viele der von ihm konsultierten Quellen sind nur auf Deutsch verfügbar – sofern sie überhaupt öffentlich zugänglich sind.

Ein Kompliment gebührt den beiden Übersetzern, Michael Schickenberg und Jörg Pinnow, denen es gelungen ist, die deutsche Fassung in packenden Worten zu erzählen – was leider nicht auf alle aus dem Englischen übersetzten Sachbücher zutrifft. Das Einzige, was bei der englischen Version mehr überzeugt als bei der deutschen, ist das Cover.

, Closing Bell / Gelesen

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