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«Das Ende der Diplomatie – Warum der Wandel der amerikanischen Aussenpolitik für die Welt so gefährlich ist»

Vielleicht hätte Ronan Farrows Buch im deutschsprachigen Raum mehr Exemplare ­verkauft, wenn der Verlag beim englischen Titel geblieben wäre: «Krieg gegen den Frieden» ist einiges knackiger als «Das Ende der Diplomatie». Das wichtigste Kaufargument ist ­allerdings der Inhalt des Buches: Auch knapp vier Jahre nach der ersten Publikation liefert es Antworten darauf, weshalb die US-Aussenpolitik ­immer wieder ihre Ziele verfehlt.

Im ersten Teil fokussiert Farrow auf Pakistan, wo er von 2009 bis 2012 als US-Diplomat stationiert war. Er beschreibt, wie die Verfechter des Dialogs mit allen Parteien nach und nach an Einfluss verloren. Statt auf Diplomatie setzte Washington auf militärische Kooperation. Diese Entwicklung begann gemäss Farrow schon während der Regierungszeit von Clinton und verstärkte sich mit jedem weiteren US-Präsidenten. Im zweiten Teil des Buches wird diese These mit Beweisen unterlegt. Darin verlässt sich Farrow, der die Diplomatenkarriere mittlerweile an den Nagel gehängt hat, nicht mehr auf seine Erfahrungen, sondern lässt illustre Interviewpartner zu Wort kommen: von General Dostum, der sich als brutaler Milizenführer in Afghanistan einen Namen gemacht hat, über alle noch lebenden US-Aussenminister bis zu Diplomaten, Generälen und Zivilpersonen, die die Krisen in Syrien, Kolumbien, Afghanistan und Ägypten vor Ort miterlebt haben. Farrow bietet keine Lösungen, sondern zeigt die verheerenden Konsequenzen auf, wenn sich die Vereinigten Staaten aussenpolitisch immer mehr auf das Pentagon verlassen, statt auf das Aussenministerium zu hören.

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