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«The Hot Hand»

Was haben Schriftsteller William Shakespeare, Regisseur Rob Reiner und Basketballer Steph Curry gemeinsam? Nicht nur waren oder sind sie Grossmeister ihres Fachs, sondern sie zeigten oder zeigen auch in einer kurzen Zeit eine aussergewöhnliche Häufung von Meisterleistungen.

Shakespeare schrieb in einem Jahr «King Lear», «Macbeth» sowie «Antony and Cleopatra», Reiner führte in fünf Jahren Regie bei «The Princess Bride», «When Harry Met Sally» sowie «A Few Good Men», und Curry – na ja, wann hat der beste Dreipunktewerfer der US-Basketballliga NBA keine ausserordentlich erfolgreiche Phase? Derzeit beweist er sein Können in der Finalserie gegen die Boston Celtics.

Unter anderem mit diesen Beispielen geht WSJ-Sportreporter Ben Cohen der Frage nach, ob es nur Einbildung ist, wenn jemand «einen Lauf» hat. Die Statistik lehrt uns, dass der Zufall kein Gedächtnis hat. Egal, ob soeben die Sechs – oder gar bereits sechs Mal in Folge – gewürfelt wurde, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sie wieder gewürfelt wird, ein Sechstel. Was zwar logisch ist, widerspricht der «Hot Hand», wie es auf Englisch heisst, wenn jemand einen Lauf hat.

Um diesen Widerspruch zu ergründen, erzählt Cohen die Geschichte hinter «NBA Jam», dem legendären Computerspiel, das mit dem «Boomshakalaka» die «heisse Hand» in eine neue Sphäre hob. Cohen präsentiert aber auch David Booth, der als Gründer von Dimensional Fund Advisors mit der Überzeugung vom effizienten Markt – im Gegensatz zur «heissen Hand» – an Wallstreet ein Vermögen gemacht hat.

Diese und viele weitere kurzweilige Episoden verknüpft Cohen auf unterhaltsame Weise mit Erkenntnissen aus der Wahrscheinlichkeitstheorie und verweist dabei auf den Grossmeister Daniel Kahneman sowie auf die Herausforderer Josh Miller und Adam Sanjurjo.

Den ­Widerspruch zwischen dem Bauchgefühl und dem kühlen Kopf löst Cohen am Ende des spannend geschriebenen Buches auf. Ob es die «heisse Hand» nun gibt oder nicht, soll an dieser Stelle nicht verraten wird. Die Beantwortung der Frage ist dank den diversen pop­kulturellen, sportlichen und gesellschaftlichen Referenzen nicht der einzige Grund, das Buch zu lesen, ein wichtiger aber schon.

, Closing Bell / Gelesen

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