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Gemischte Signale aus dem IT-Sektor

Die Quartalsabschlüsse von US-Tech-Riesen lösen an der Börse unterschiedliche Reaktionen aus. Apple schlägt sich passabel, Google enttäuscht, und Amazon begeistert.

Christoph Gisiger, Los Angeles

Amerika blickt am Sonntag nach Minneapolis, wo die Philadelphia Eagles gegen die New England Patriots um den Meistertitel der National Football League kämpfen. Für Investoren im IT-Sektor fand der «Super Bowl» dieser Berichtssaison bereits am Donnerstag statt. Mit Apple, Amazon und dem Google-Mutterhaus Alphabet haben gleich drei Champions der Branche den Abschluss vorgelegt.

Solide Defensivarbeit hat Apple geleistet. Der IT-Gigant brachte im wichtigen Weihnachtsquartal mit dem iPhone X eine neue Handygeneration auf den Markt, was an Wallstreet hohe Erwartungen weckte. Ganz respektabel fallen dazu die Zahlen aus, die er nach Börsenschluss präsentiert hat.

Apple hat total 77,3 Mio. iPhone-Geräte verkauft. Das ist 1% weniger als in der Vorjahresperiode und verfehlt die Analystenprognosen von 80,2 Mio. Stück. Besser als geschätzt ist mit 796 $ hingegen der durchschnittliche Absatzpreis. Er legt nahe, dass sich das teure iPhone X relativ gut verkauft, wogegen ältere Modelle weniger beliebt sind.

«Das iPhone X hat unsere Erwartungen übertroffen und war unser meistverkauftes Modell, seit es im November in den Verkauf gekommen ist», lässt sich Apple-Chef Tim Cook in der Medienmitteilung zitieren. Insgesamt hat der Umsatz mit iPhone-Geräten verglichen mit der Vorjahresperiode 13% auf annähernd 62 Mrd. $ zugenommen.

Mittelmässig fällt der Ausblick für die laufende Berichtsperiode aus. Der Umsatz soll sich auf 60 bis 62 Mrd. $ belaufen. Das liegt unter der Schätzung von knapp 66 Mrd. $, die Analysten in den vergangenen Wochen mit Blick auf gedämpfte Nachrichten von Zulieferern bereits nach unten revidiert hatten. Die Bruttomarge soll 38 bis 38,5% betragen.

Erleichterung bei Investoren

Obschon Apple die Erwartungen verfehlt hat, lösen die Zahlen bei Investoren in einer ersten Reaktion eine gewisse Erleichterung aus. Die Aktien tendierten im nachbörslichen Handel gut 3% fester. Das, nachdem sie dem Gesamtmarkt in den letzten Wochen hinterhergehinkt sind und seit Anfang 2018 knapp 1% an Terrain eingebüsst haben.

Das Unternehmen mit Sitz in Cupertino, Kalifornien, verdient mit dem iPhone inzwischen fast 70% der Einnahmen. In den anderen Produktkategorien lief das Geschäft mit iPad-Tablets besser, während sich Mac-Rechner weniger gut verkauften. Nach Regionen wuchs der Konzern in Japan am stärksten, gefolgt von Europa, China und Amerika.

Konzernweit nahm der Umsatz 13% auf gut 88 Mrd. $ zu. Der Gewinn verbesserte sich 12% auf 20 Mrd. $ oder 3.89 $ je Aktie. Der Cashbestand wuchs auf 285 Mrd. $, wovon sich ein Grossteil im Ausland befindet. Das Unternehmen will beim Resultat zum aktuellen Quartal Details bekannt geben, was mit dem Geld im Zug der US-Steuerreform passieren soll. Mitte Januar hatte es angekündigt, eine grosse Summe in die USA zu überführen und dafür 38 Mrd. $ an Steuern zu zahlen.

Alphabet verspielt den Ball

Das Steuergesetz, das der amerikanische Kongress Ende 2017 verabschiedet hat, war beim Abschluss von Alphabet ein Kernthema. Das Google-Mutterhaus nimmt in diesem Zusammenhang eine Wertberichtigung von 9,9 Mrd. $ vor. Für das vergangene Quartal resultiert dadurch ein Verlust von 3 Mrd. $. Klammert man diesen Sondereffekt aus, hat der Gewinn 28% auf gut 6,8 Mrd. $ zugenommen.

Alphabet hält den grössten Teil der 100 Mrd. $ an flüssigen Mitteln im Ausland. Bislang hat der Konzern noch nicht kommuniziert, wie viel Geld er in die USA transferieren will. Dafür hat er zusätzlich zum Ergebnis John Hennessy zum neuen Chairman ernannt. Der renommierte Computerwissenschaftler und vormalige Leiter der Universität Stanford löst Eric Schmidt ab, der im Dezember von seiner Position zurückgetreten ist, aber im Verwaltungsrat bleibt.

Auf operativer Ebene verzeichnet Google eine Zunahme von 43% der Klicks auf Inserate im Internet. Nach einem Plus von 47% im dritten Quartal hat sich das Wachstum damit leicht verlangsamt. Da immer mehr Leute mit mobilen Geräten im Web surfen, gehen zudem die Einnahmen pro Klick seit Jahren zurück. Der Rückgang betrug in der vergangenen Berichtsperiode 14%.

An Wallstreet hat Alphabet den Ball damit etwas verspielt. Die Aktien verloren im nachbörslichen Handel mehr als 2%. Dennoch bleibt der Konzern mit Sitz in Mountain View eine Wachstumsmaschine: Der Umsatz nahm 24% auf über 32 Mrd. $ zu. Er hat sich damit bereits das 32 Quartal in Folge mehr als 20% verbessert.

Touchdown für Amazon

Wachstum ist in der Regel bei Amazon die wichtigste Kenngrösse. Dieses Mal begeisterte der Onlinehändler Investoren jedoch vor allem in Sachen Profitabilität. Mit 1,9 Mrd. $ hat sich der Gewinn dank einem erfolgreichen Weihnachtsgeschäft im vergangenen Quartal mehr als verdoppelt. Auch ist es überhaupt das erste Mal, dass er sich auf über 1 Mrd. beläuft. Geholfen hat dabei die Steuerreform, mit der ein positiver Sondereffekt von rund 800 Mio. $ einherging.

Der Umsatz verbesserte sich 38% auf 60,5 Mrd. $, was am oberen Ende der eigenen Prognose liegt und die Erwartungen der Analysten übertrifft. Erstmals hat Amazon die 2017 übernommene Biosupermarktkette Whole Foods vollständig im Ergebnis konsolidiert. Details dazu werden allerdings nicht ausgewiesen. Gut lief es im Cloud-Geschäft, wo der Umsatz 45% auf 5,1 Mrd. $ gestiegen ist.

An der Börse hat der IT-Gigant aus Seattle mit diesen Nachrichten einen Touchdown erzielt. Die Titel von Amazon avancierten nach Handelsschluss mehr als 6%. Nach der fulminanten Kursentwicklung im letzten Jahr sind sie seit Anfang 2018 fast weitere 20% vorgeprescht.

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