Nikolaikirchen gibt es sonder Zahl. Sankt Nikolaus von Myra war im 12. und 13. Jahrhundert, salopp gesagt, ein Mode­heiliger; wer ein Gotteshaus errichtete, stellte es gerne unter seinen Schutz (und demnächst werden die Kläuse ja wieder auf die jährliche Gaben- und Mahntour bei den Kinderchen ausschwärmen, wiewohl hygienisch distanziert). Das Gemäuer hier ist der Rest der Kisha e Shën Kollit, der Nikolai­kirche im Adria-Städtchen Lezha: ein albanisches Nationalheiligtum. Nicht wegen des mildtätigen Bischofs aus Kleinasien, sondern wegen des hiesigen Fürsten und Feldherrn Georg Kastriota (1405–1468), dem die Osmanen den Nom de guerre Skanderbeg verliehen hatten. In jungen Jahren in Kriegsdiensten des Sultans stehend, wandte er sich später gegen ihn. Der Papst ehrte Skanderbeg dafür mit noblen ­Titeln: Fidei defensor – Verteidiger des Glaubens, Athleta Christi – Kämpfer des Christentums. Bestattet wurde Skanderbeg eben in der Nikolaikirche zu Lezha. Die wurde später zur Moschee; heute ist die restaurierte und überdachte Ruine eine Gedenkstätte zu Ehren des Vaters der Skipetaren. Sozusagen deren Mutter ist, wer sonst, Mutter Theresa – nun als Heilige auf der Rangstufe des Sankt Nikolaus.
(Bild: Martin Siepmann/Keystone)