Okefenokee bedeutet mutmasslich «Land der zitternden Erde». Dieses weitläufige Sumpfgebiet im Süden Georgias, etwa so gross wie der Kanton Zürich, ist heute ein Nationalpark; einst diente es lichtscheuen Gestalten als Refugium, obwohl es von gefrässigen Alligatoren und bissigen Insekten wimmelt und das Klima ungesund feuchtheiss ist – lauter boshafte Metaphern für das politische Ambiente in den USA im Allgemeinen und in Georgia im Besonderen. Am 5. Januar bestreiten dort die beiden bisherigen republikanischen ­Senatoren gegen zwei demokratische Herausforderer die Stichwahl. Es geht um viel: Gewinnen die Republikaner, dann beherrschen sie den Senat, gewinnen die Demokraten, dann hat im resultierenden Patt die künftige Vizepräsidentin Kamala Harris in der Kammer das letzte Wort. Georgia hat in der Präsidentenwahl, nach letztem Erkenntnisstand, haarscharf Joe Biden bevorzugt, obzwar Donald Trump das nicht glaubt. En passant überrascht es nicht ganz, dass sich dieser Dixie-Staat zum Swing State mausert. 1972 holte dort der Republikaner Richard Nixon gegen den linken Demokraten George McGovern alle Counties. Vier Jahr später tat es ihm der Demokrat Jimmy Carter gleich. Dank Heimvorteil.
(Bild: Jim West/Keystone)