Meinungen

Germany First!

Das Versandverbot für verschreibungspflichtige Arzneien in Deutschland bleibt vage. Doch allein die Ankündigung führt zu Rechtsunsicherheit. Ein Kommentar von FuW-Redaktor André Kühnlenz.

«Der Schritt erinnert an Donald Trump – an Protektionismus statt Freihandel.»

Dass die deutsche Politik etwas unternehmen muss, ist klar. Denn ausländische Versandapotheken haben in Deutschland seit Herbst 2016 einen Wettbewerbsvorteil gegenüber heimischen Medikamentenhändlern: Sie dürfen Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneien anbieten. Wenn die Koalitionäre nun vage ein Versandhandelsverbot ankündigen, zeugt dies aber von Politik der verbrannten Erde.

Der Schritt erinnert an Donald Trump – an Protektionismus statt Freihandel. Wir wissen jetzt, es waren alles nur Lippenbekenntnisse, wenn Berliner Politiker sich mit grossem Bohei als Gegenentwurf aufgespielt haben. Denn auf dem Medikamentenmarkt gilt nur noch eine Devise: Germany First!

Statt nach Wegen zu suchen, den eigenen Apotheken zu helfen, werden nun Patienten und Auslandsinvestoren verunsichert. Die jahrelange Rechtsunsicherheit, die ein kurzer Halbsatz im Koalitionsvertrag auslöst, ist nichts anderes als eine Handelsbarriere. Sie wird sich in den Geschäftszahlen der Schweizer Zur Rose (ROSE 110 -0.72%), der Mutter von DocMorris, niederschlagen.

Dabei sollte auch klar sein: Die Versandapotheken haben einen verschwindend kleinen Marktanteil von weniger als 1,5% im deutschen Rezeptmarkt. Wer glaubt, dass daraus die Probleme der deutschen Apotheken herrühren, betreibt Augenwischerei. Und das durch eine Regierung, die die Digitalisierung mitgestalten will. So traurig.

Leser-Kommentare

Markus Saurer 10.02.2018 - 00:02

Haha… Trump macht auch stilistisch Schule…. So witzig!