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Geschäftsklima im Euroraum verbessert sich

Das Barometer für das Geschäftsklima ist zuletzt stärker gestiegen als von Experten erwartet. Die Inflation bleibt den fünften Monat in Folge negativ.

(Reuters) Die Stimmung in der Wirtschaft der Eurozone hat sich trotz Lockdown-Massnahmen zum Ende des Corona-Jahres 2020 aufgehellt. Das Barometer für das Geschäftsklima stieg im Dezember auf 90,4 Zähler nach 87,7 Punkten im Vormonat, wie die EU-Kommission am Donnerstag bekanntgab. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Anstieg auf 90,0 Punkte erwartet. Bei den Dienstleistern machte sich aber wieder etwas mehr Skepsis breit. Bei den Industriemanagern, den Verbrauchern und am Bau hellte sich die Stimmung hingegen etwas auf.

Derweil bleiben die Verbraucherpreise im Euroraum auch im Dezember im Sinkflug. Binnen Jahresfrist gingen die Preise um 0,3% zurück, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Damit ist die Teuerungsrate bereits den fünften Monat in Folge negativ. Viele Volkswirte rechnen allerdings damit, dass die Zeit der Minus-Inflation bald vorbei ist. Grund für die negative Rate im Dezember waren wie in den Vormonaten vor allem die Energiepreise. Auch im November, Oktober und September hatte die Inflation bei minus 0,3% gelegen.

«Die schwere Rezession im Euroraum hat auch bei der Inflation Bremsspuren hinterlassen», kommentierte Commerzbank-Volkswirt Marco Wagner die Daten. Die Inflation werde aber in den nächsten Monaten tendenziell wieder steigen, da der starke Preisverfall bei Energie nach und nach aus dem Vorjahrsvergleich herausfalle. «Im Frühjahr 2021 dürfte sie wieder ein positives Vorzeichen aufweisen», glaubt er. Nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank (VPBN 115.60 -0.17%), hält sich bei der EZB die Freude über den erwarteten Preisanstieg allerdings in Grenzen. «Es handelt sich um statistische Effekte und nicht etwa um einen nachhaltigen Inflationsanstieg.» Ein länger anhaltender Preisanstieg benötige mehr wirtschaftliche Dynamik basierend auf Strukturreformen. Seine Prognose: «Solange dies nicht der Fall ist, wird die Inflationsentwicklung hinter den EZB-Zielen zurückbleiben.»

Anhaltend negative Inflationsraten sind für die Europäische Zentralbank (EZB) ein Problem, zumal die Konjunktur bereits durch die zweite Welle der Pandemie und die Eindämmungsmassnahmen der Regierungen gebremst wird. Die Währungshüter streben eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an. Dieses Preisstabilitätsziel verfehlen sie aber bereits seit Jahren. Erst im Dezember hatte die Notenbank neue Stützungsschritte für die Wirtschaft beschlossen. Unter anderem stockte sie ihr billionenschweres Anleihenkaufprogramm PEPP erneut auf.

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