Märkte / Makro

Geschäftsklima im Euroraum trübt sich ein

Aufgrund von hoher Inflation, Materialengpässen und Unsicherheit über den Fortgang des russischen Krieges verschlechtert sich im Juni die Stimmung in der europäischen Wirtschaft.

 Die Stimmung in der Wirtschaft der Eurozone hat sich im Juni nicht so stark wie erwartet eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel um 1,0 auf 104,0 Punkte, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Daten der EU-Kommission hervorgeht. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem etwas stärkeren Rückgang auf 113,0 Zähler gerechnet. In allen fünf grossen Volkswirtschaften der Währungsunion trübte sich die Stimmung ein – besonders stark in den Niederlanden, nicht ganz so heftig in Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien. Hohe Inflation, Materialengpässe und Unsicherheit über den Fortgang des russischen Krieges gegen die Ukraine gelten aktuell als grösste Stimmungskiller.

In allen wichtigen Bereichen der Wirtschaft zeigt die Tendenz nach unten. Sowohl in der Industrie als auch im Einzelhandel, bei den Dienstleistern und besonders stark in der Baubranche wird sich auf schwierigere Zeiten eingestellt. Auch bei den Verbrauchern nimmt der Pessimismus merklich zu. «Der Ausblick der Haushalte auf ihre künftige finanzielle Situation erreichte ein Rekordtief», betonte die EU-Kommission zu ihrer Umfrage. «Gleichzeitig sanken die Absichten, grössere Anschaffungen zu tätigen.» Auch die allgemeine Wirtschaftslage wird von den Verbrauchern so schlecht bewertet wie lange nicht.

Die sich eintrübende Konjunktur bringt die Europäische Zentralbank (EZB) in die Bredouille. Sie will angesichts der rekordhohen Inflation in der Währungsunion von aktuell 8,1 Prozent im Juli erstmals seit 2011 ihren Leitzins anheben und im September nachlegen. Dadurch steigen die Kreditkosten für Verbraucher wie Unternehmen, worunter Konsum und Investitionen leiden dürften. Das wiederum könnte der ohnehin schwächelnden Konjunktur weiter zusetzen. Die EZB-Volkswirte sagen für das laufende Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent für die Währungsunion voraus. Im März hatten sie ein Plus von 3,7 Prozent prognostiziert.

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