Meinungen

Gesucht: Preisbrecher

Wer einen Discount-Vorsorgefonds anbieten würde, hätte alle Vorteile auf seiner Seite. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Pascal Meisser.

«Wer wagt den ersten Schritt aus der Komfortzone des leicht verdienten Geldes? Wir warten gespannt.»

Wenn sich das Jahr dem Ende entgegenneigt, kommt man um das Thema Vorsorge nicht herum. Auf Plakaten und Inseraten lassen uns die Banken wissen, welch tolle Vorsorgefonds sie in ihrem Repertoire haben. Natürlich werden die Pluspunkte gross hervorgehoben. Kleingeschrieben werden hingegen Hinweise, wohin ein grosser Teil der Gebühren fliesst – nämlich an den Anbieter selbst.

Es mag wie ein Hohn wirken, wenn ein Institut wie Postfinance ein passives Produkt anbietet, das alles andere als günstig ist. Wenn man dann noch erfährt, dass Postfinance bis zu zwei Drittel davon als Vertriebsgebühr an sich selbst abführt, wähnt man sich im falschen Film. Damit wir uns richtig verstehen: Postfinance ist nur eines von vielen Beispielen, nicht etwa die Ausnahme.

Auch die Anbieter von aktiv gemanagten Vorsorgefonds sind keinen Deut besser. Wenn 3a-Fonds eine Gesamtkostenquote (Ter) von deutlich über 1% aufweisen, ist das zu viel – zumal diese Kennzahl noch nicht mal alle Kosten umfasst.

Dabei hätte ein Anbieter, der in der Säule 3a als Preisbrecher agiert, doch alle Vorteile auf seiner Seite. Günstige Konditionen sind in einem Umfeld, das tendenziell geringere Renditen erwarten lässt, doch eines der besten Argumente, um Vorsorgegelder in Massen anzuziehen. Gerade in einer Zeit, in der angesichts der zunehmenden Schwierigkeiten in der ersten und zweiten Säule der privaten Vorsorge eine immer grössere Bedeutung zukommt. Und in kaum einem anderen Bereich kann eine Bank davon ausgehen, dass die Kunden dank ihrer fast garantierten Trägheit ihr Geld über Jahrzehnte liegen lassen.

Wer wagt den ersten Schritt aus der Komfortzone des leicht verdienten Geldes? Wir warten gespannt.