Märkte

Gesunde Korrektur des Bitcoinpreises

Nach einem Allzeithoch von über 40'000 $ kam es nicht ganz unerwartet zu einer Korrektur des Bitcoinpreises. Nahe 30'000 $ scheint er jedoch Halt zu finden.

Alain Kunz, Head of Digital Assets, Bank Cler

Der Kryptobericht vor zwei Wochen enthielt ein Warnsignal, das sich mit dem Sell-off bewahrheitete. Der Bitcoin-Preis korrigierte nach dem Anstieg auf ein Allzeithöchst von 41’941.56 $ zurück auf rund 31’000 $. Dass kann und muss als unerfreuliche, aber gesunde Korrektur gesehen werden, die die Basis für eine nachhaltige und langfristige Entwicklung legt. Die Erholung liess nicht lange auf sich warten, und bereits einige Tage später stieg der Bitcoinpreis erneut auf das 40’000-$-Niveau – nur um wieder zu korrigieren. Dieser missglückte Anlauf führte zu einem weiteren Rückgang bis unter 30’000 $ am 22. Januar. Der Markt scheint aktuell eine Unterstützung bei rund 30’000 $ zu finden.

Der Fear & Greed Index, der die Emotionen am Kryptomarkt misst, fiel zum ersten Mal seit Anfang November 2020 auf 70. Der Markt scheint sich zu beruhigen. Dies spiegelt sich auch in den Finanzierungslevels bei den Derivaten. Allerdings: Ein Wert von 70 bedeutet immer noch «Gier», was auch signalisiert, dass der Markt optimistisch für die Zukunft ist.

Was die Handelsvolumen betrifft, so erreichte die institutionelle Börse LMax Digital ein höheres tägliches Volumen als Coinbase – ein weiteres Anzeichen für die Rolle der institutionellen Anleger im höheren Spot-Volumen.

Neues Allzeithoch für ETH

Während in den letzten Monaten die Preisentwicklung von Bitcoin (Bitcoin 34'372.07 -0.78%) im Mittelpunkt stand, scheint der Fokus zumindest temporär auf den Altcoins zu liegen – angeführt von Ethereum. Nach über drei Jahren berührte Ethereum, das zweitgrösste Krypto-Asset, sein altes Allzeithöchst von 1432.88 $ vom 13. Januar 2018. Ein weiterer möglicher Impuls für den Ethereumpreis könnte der Start von Ethereum-Futures an der CME im Februar darstellen. Sie werden institutionellen Anlegern einen simplen und sicheren Zugang zu diesem Krypto-Asset geben.

Nicht einzig Ethereum profitiert vom starken Momentum, sondern auch die DeFi Tokens verzeichneten attraktive Renditen über die letzten Wochen – mit Susi und Uni an vorderster Front.

Tether – zu Unrecht am Pranger

Stablecoins – Tokens, deren Wert eine Fiat-Währung spiegelt – sind eine schnell wachsende Nische des Kryptomarktes und ein wichtiges Bindeglied zwischen der Fiat- und der Kryptowelt. Sie ermöglichen den effizienten Transfer von Fiat-Geldern dank Blockchain Technology anstelle des Bankensystems. Stablecoins sind Schlüsselelemente der Kryptomarktinfrastruktur und verbessern vor allem die Abwicklung von Transaktionen an Börsen, die aus verschiedenen Gründen keine Fiat-Währungspaare offerieren. Gleichzeitig ermöglichen sie ein schnelleres Settlement, was wiederum die Preisfindung über verschiedene Handelsplattformen verbessert.

In letzter Zeit gab es vermehrt laute Vorwürfe bezüglich der Legitimität von Tether (USDT), dem grössten Stablecoin mit einer Marktkapitalisierung von knapp 25 Mrd. $. Die Marktkapitalisierung von Tether ist ein Bruchteil der von Bitcoin, was eine Manipulation des Bitcoinpreises durch Tether eher unwahrscheinlich macht. Sollte es sich bei Tether um einen Stablecoin handeln, der nicht mit Dollar hinterlegt ist, würde dies eher einen Run auf Bitcoin durch Tetherhalter auslösen.

Kryptooptionen auf der Überholspur

Das Open Interest (OI) am Futures-Markt für Bitcoin erreicht einen zweistelligen Milliardenbetrag. Noch imposanter ist das Wachstum des Open Interest am Optionsmarkt, und es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis der Kryptooptionsmarkt den Terminmarkt überholen wird.

Das Entstehen und das Reifen eines Derivatmarktes für Kryptos sind Anzeichen, dass Kryptos als eigenständige Anlageklasse bestehen bleiben. Gleichzeitig ermöglichen Kryptoderivate Unternehmen mit Krypto-Exposure, das Risiko zu migrieren oder zu transferieren, was schlussendlich zu einem robusteren Kryptomarkt führt.

Noch nie waren so viele Adressen aktiv auf der Bitcoin Blockchain wie heute. Die Anzahl der Adressen mit mindestens 1000 Bitcoin – auch bekannt unter dem Begriff Whale Wallet – ist in den letzten Monaten in die Höhe geschossen, und es gibt keine Anzeichen, dass die Bitcoinwale ihre Bestände verkaufen. Im Gegenteil, die Signale sprechen für eine Akkumulation von Bitcoin durch professionelle Anleger.

Ein weiterer Bitcoin ETP an der SIX

Das Angebot von Produkten mit Kryptowährungen als Basiswert an der Schweizer Börse wächst weiter. Der CoinShares Physical Bitcoin (Ticker: BITC), ein Exchange Traded Product (ETP), ist mit physischen Bitcoin hinterlegt und wurde von CoinShares ,einem Digital-Assets-Pionier, lanciert.

Neben der Schweiz als Crypto-Nation scheint sich auch die Schweizer Börse als führender regulierter Handelsplatz für Kryptoprodukte zu etablieren. Gemäss SIX wurde in den ersten beiden Handelswochen 2021 bereits ein Volumen von über 380 Mio. Fr. gehandelt – mehr als in jedem Monat zuvor, seit 2016 erstmals ein Kryptoprodukt zum Handel zugelassen wurde.

Grayscale – das schwarze Loch für Kryptos

Grayscale Investment sammelte im vierten Quartal 2020 über 3,3 Mrd. $ für ihre Kryptoanlageprodukte ein. Dies ist erneut ein Rekordzufluss für den auf Digital Asset spezialisierten Vermögensverwalter und ein weiterer Beweis für die institutionelle Basis dieser Bitcoinhausse, in der wir uns befinden.

Der Grayscale Bitcoin Investment Trust ist das populärste Produkt und sammelte im vierten Quartal 2020 im Schnitt jede Woche über 200 Mio. $ von Anlegern ein. Dieser massive Zufluss allein übertraf die Rate der neu zu schürfenden Bitcoin. Grayscale verwaltet derzeit über 20 Mrd. $; Anfang 2020 waren es noch 2 Mrd. $.

Die Goldmänner stürzen sich auf das digitale Gold (Gold 1'775.96 -0.17%)

Goldman Sachs (GS 368.75 +2.13%) wird bald im Kryptomarkt mitmischen. Mehrere Kryptounternehmen mit einer Spezialisierung auf die sichere Verwahrung dieser neuen Anlageklassen haben einen Request for Information (RFI) erhalten. Die Lancierung eines Verwahrungsangebots wird für das erste Quartal erwartet.

Die Meinung des Autors muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.